September 04, 2004
I, Robot
Bagel, du jammerst gleich wieder rum, dass der Film ja eine Verunglimpfung ist von Asimov. Jaja. Darfst du gleich. Ich zuerst.
I, Robot. Oder besser: I, Product Placement. Gucken wir mal in das Jahr 2035: Ganz Chicago faehrt Audi. Aber ganz besondere Audis mit teilweise fast schon neon-leuchtenden Audi-Logos vorne, und die Lenkung der Audis sorgt dafuer, dass das Logo automatisch immer gut im Frame zu sehen ist. Will Smiths Audi sieht aber irgendwie aus wie ein Audi TT, komplett mit Zuckerguss ueberzogen.
Wer cool ist, hat eine JVC-Stereoanlage. Eine schoene, tolle leuchtende. Und weil Will Smith ja so old-school ist, hat er eine "vintage" Stereoanlage, die aus dem Jahr 2004 stammt, d.h. rein zufaellig gibt es die jetzt schon zu kaufen. Genauso wie seine vintage All-Star Converse, die mit oft close-ups versehen werden und auch mal im Dialog vorkommen.
Aber gut, kein Grund sich aufzuregen? Im Fernsehen kommen ja auch Werbeunterbrechungen, und hier sind sie wenigstens im Stil vom Film und nur ganz kurz.
Aber jetzt zum Film selbst. Die Credits sagen es eigentlich schon: "Suggested by Isaac Asimov's Novel". Da haben die wohl einen Thesaurus verschlungen und nach dem Wort gesucht, dass die kleinste Bindung zwischen Film und Originalmaterial vermittelt.
Aber hey, ganz so schlecht war der Film eigentlich gar nicht. Okay, es ist Blockbuster-Quatsch, da kommt man nicht drumrum, und manche Sachen sind etwas Autsch. Vor allem die Idee, aus dem Publikum ein paar Traenen druecken zu wollen, wenn ein Roboter umgebracht wird, ist etwas ungeheuer. Vor allem, wenn man bedenkt, dass dieser Film von Alex Proyas ist, dem ehemaligen Experten fuer das duestere, der jetzt in die PG-13-Knallbumm-mit-grossen-Budget-Branche auf- (oder ab-)gestiegen ist.
Ein paar Kamerafahrten sind ganz gut gelungen, gegen Ende geht's echt ab, und das ganze noch halbwegs solide. Der rettende Anker vom ganzen Film ist aber zweifellos Will Smith, sofern man ihn mag. Er versagt einfach nicht.
Die CGI aber schon. Dieser Film ist, wie man sich denken kann, voll mit CGI. Manchmal wirkt das kuenstlich, manchmal aber auch nur noch laecherlich. Da ist eine Szene, in der jede Menge Kisten irgendwo gelagert sind. Das hat mich 1a an ein Computerspiel erinnert, in dem ganz oft Kisten voellig unmotiviert auf groesserem Raum versteut sind, entweder als Jump-n-run-Einlage oder als Deckung fuer FPS.
Also wirklich sehr generische Ware. Vertraeglich, aber nichts besonderes.
August 28, 2004
The Bourne Supremacy
Huch, ich gehe ja gar nicht mehr mit der Zeit. Dieser Film ist schon seit Wochen draussen. Aber er hat mich auch nicht sonderlich gereizt - alle sagen, er ist so gut wie der erste Teil. Oh klasse. Der erste Teil hat mich aber auch nicht vom Hocker gehauen.
Er ist ein solider Action-Film (allerdings PG-13, bah), aber mehr nicht. Aber gut, guck ich mir halt mal Teil 2 an. Einfach so.
Und - im Grunde genommen ist er tatsaechlich wie der erste. Matt Damon ist immer noch Bourne, der viel krasser und toller und klueger ist als alle anderen und selbst nach 30 Autounfaellen, 80 Fausthieben und 3 Einschuessen munter durch die Gegend laeuft und auch seine perfekte Drei-Wetter-Taft-Frisur behaelt. Das fand ich schon beneidenswert - ich muss mir jedesmal wieder diesen Klump in die Haare schmieren, wenn ich nur mal kurz im Meer surfen gehe.
Was mir aber so richtig auf den Sack gegangen ist war die Kamera. Dieses postmoderne Rumgewackel war wieder mal angesagt, und zwar so richtig schlecht. Ich hab inzwischen die Theorie, dass die Produzenten einfach Amateure als Kameramaenner eingestellt haben, anders kann ichs mir nicht vorstellen: Die Shots an sich sind gut, aber die Kamera zappelt rum wie ein Epileptiker bei Strobo-Licht. Und ich rede jetzt nicht nur von den Action-Szenen. Ich hab mal einen shot gestoppt: Er war 14 Sekunden lang und die Kamera "statisch"! Ich meine, sie hat dasselbe gezeigt, aber hin- und hergewackelt wie ein kleiner Kutter bei Windstaerke 10, und dazu noch unmotiviertes Rumgezoome.
Richtig uebel wirds dann aber in den Action-Szenen: Hier geht die Kamera voellig ab. Close-up nach close-up im Viertelsekunden-Takt. Das macht echt keinen Spass mehr. Am Ende kommt eine riesige Verfolgungsjagd, in der Matt Damon zehnmal bei Tempo 100 von der Seite gerammt wird, sich dreimal im Kreis dreht und munter weiterfaehrt. Sieht zumindest so aus, aber bei dieser Kamerafuehrung war das nicht komplett festzumachen.
Fuer mich persoenlich nett war die Tatsache, dass der Film zur Haelte in Berlin gespielt hat, und wie auch beim ersten Teil haben viele Leute sogar sauberes Deutsch gesprochen (zumal auch wirklich in D gedreht wurde). Das gab so ein gemischtes Gefuehl von "huch, wie anders das alles aussieht" und gleichzeitig "kenn ich doch alles irgendwoher."
Noch witziger, dass einige Details eigentlich echt nur zu verstehen waren, wenn man Deutsch verstand. Da ruft er z.B. drei verschiedene Hotels an und fragt nach einer Person. Das ganze in (grauenvollem) Deutsch ohne Untertitel. Wer kein Deutsch kann, ist da aufgeschmissen. Und weitere winzige Kleinigkeiten: So faehrt er z.B. irgendwohin, und laut Strassenschild erkennen wir, dass er nach "Tegel" geht. Aber kein Flugzeug-Symbol oder irgendwas. Tja, too bad for Leute, die nicht wissen, dass da ein Flughafen ist.
Ansonsten? Nett. Wie der erste Teil. Das sagt wirklich alles aus.
August 07, 2004
Collateral
Yo Bagel,
kam mir gerade wieder - die Filmindustrie ist irgendwie viel ausgekluegelter. Release-Daten fuer Filme werden strategisch platziert; so gibt es z.B. die typischen "Sommer-Blockbuster". Das sind Filme wie Spider-Man oder X-Men, die sind PG-13 und fuer den Massenkonsum.
Man kann echt die Jahreszeit erkennen, wenn man auf ein Kino-Billboard guckt: Im Sommer ist es fast nur PG-13.
Dann aber gibt's auch im Sommer die kleinen R-Rated Haeppchen zwischendurch, die spaerlich in das Kinoprogramm einstreut werden: Wie z.B. Confessions Of a Dangerous Mind als re-release letztes Jahr, oder Collateral jetzt. In D z.B. werden Kinofilme ja irgendwie wahllos eingeworfen, scheinbar gerade so, wie die Verleihs die Filme aufgreifen.
Der Trailer ist schon mal nett, und der Film wurde auch halbwegs gehypt hier. Da bin ich schon mal mit halbwegs saftigen Erwartungen rein - sowas sollte man ja eigentlich nicht machen.
Aber in diesem Fall hat's geklappt - von der ersten Szene an hat mir der Ton vom Film gefallen. Man muss sich an den look erst mal gewoehnen - er ist auf HDTV geschossen, und spielt praktisch komplett nachts. Dadurch gibt's ein wenig grobkoernigkeit und Rumgekrissel, aber ohne TV-Look oder sowas.
Michael Mann wollte den Film sehr "authentisch" halten - deswegen schon mal das digitale Format und auch das komplette Fehlen jeglicher Credits am Anfang.
Es geht auch relativ bald zur Sache: Nachdem wir Jamie Foxx kennenlernen, wie er nachts zankende Paare und hektische Geschaeftsleute quer durch Los Angeles faehrt, das er in- und auswendig kennt, steigt irgendwann Tom Cruise ein.
Und dann geht's los. Tom Cruise faehrt zu einem Wohnhaus, meint aber, er hat insgesamt 5 Stops zu machen und bittet Jamie zu warten. Und siehe da, da du ja bestimmt den Trailer gesehen hast, weisst du schon, dass dann ploetzlich eine soon-to-be-Leiche auf das Taxi kracht, komplett mit dem Dialog "You killed him!!" - "Nah, I shot him. Bullets and the fall killed him."
Und schon dient Jamie als Fahrer fuer Tom Cruise, der quer durch die Stadt faehrt und eine Spur der Verwuestung hinterlaesst.
Filme in dieser Richtung gab's schon oft. Collateral ist aber trotzdem sehr nett anzuschauen: Zum einen sind die beiden Charakter, die sich unfreiwillig kennenlernen, erstaunlich tief ausgebaut: Da ist der reichlich zynische Tom Cruise, der gesehen hat, wie unbeudeutungsvoell ein Individuum im Universum ist und seinen Job mit einer dementsprechenden Ruhe und Indifferenz ausfuehrt. Jamie dagegen redet sich ein, dass er grosse Plaene hat und dass seine 12-jaehrige Taxikarriere nur ein "temporary part-time job" ist.
Dann besticht der Film dadurch, dass er sauber ausgefuehrt ist - bis zum Schluss hin gibt es keine albernen und keine langgezogenen Szenen, und ab und zu wirklich lustige Situationen. Es gibt eine kleine Portion von "huch-so-ein-Zufall"-Plotelementen, und ein paar kleine Klischees, aber alles im tragbaren Rahmen.
Im Nachhinein denkt man an viele Szenen, und bei den meisten sagt man sich, "irgendwie war die sehr gut". Da ist die Szene im Jazz-Schuppen, die mir irgendwie sehr gut gefallen hat. Dann die Szene im Club, die gute Musik hatte, dynamisch war, und uebersichtlich geschnitten, obwohl viel passiert ist. Nur die ansonsten wunderschoene Jada Pinkett sah nicht so besonders aus hier.
In der Fuelle der Sommer-Blockbuster ist das auf jeden Fall einer der Filme, die ich in dieser harten Zeit des PG-13-Ueberflusses am meisten brauche. Definitiv auf meiner "must-have" DVD-Liste.
April 28, 2004
Man on Fire
Meine Guete, ich haeng ja schon wieder hinterher. Komm auch zu gar nix mehr.
Man on Fire... mal wieder ein Film von Tony Scott, und diesmal geht er etwas mehr in seine alte Richtung zurueck. Gucken wir mal:
Denzel Washington ist ein ehemaliger krass-toller Spion/Killer fuer CIA oder was weiss ich was, aber ist inzwischen zu einem Teilzeit-Alkoholiker verkommen. Der gute Christopher Walken hilft ihm aber zu einem netten Deal: Er soll in Mexiko, dem Kindesentfuehrungs-Dorado, einen Bodyguard fuer die kleine Pita mimen.
Denzel hat da gar nicht so recht die Boecke drauf, Beschuetzen und so ist eigentlich nicht so sein Ding, aber naja, was solls halt.
Pita findet auch gleich grossen Gefallen an dem knuddligen "Baer" und fuehlt sich naeher an ihm als an den leicht distanzierten Eltern. Denzel aber kann sich wenig dafuer begeistern und zeigt ihr die kalte Schulter... im Gegensatz zur Jackie-Flasche, die jeden Abend bereit in seinem Zimmer steht.
Aber so langsam macht ihm das ganze Spass, und er findet zu ihr, gibt ihr Tips und coacht sie... und, guess what, schwupps wird sie entfuehrt und Denzel ueber'n Haufen geschossen.
Die Loesegelduebergabe klappt dank korrupter Polizisten auch nicht so recht.
Mit Wunden, die noch bis gegen Ende des Films Blut im Swimming-Pool hinterlassen, ist Denzel jetzt reichlich pissed und schickt sich an, alle Leute, die in der Sache verwickelt waren, plattzumachen.
Und so hangelt er sich von A nach B, findet jemanden, der was weiss, presst aus ihm raus, wer der naechsthoehere Verantwortliche ist, und macht dann seinen Informanten alle.
Dabei bedient er sich reichlicher Phantasie - seinen erstes Opfer bittet er um Informationen, indem er ihm Finger abschneidet und dann mit nem Zigarettenanzuender sterilisiert. Klingt ja ganz boes brutal, aber hier sollten wir vielleicht mal kurz Schnitt und Kamerafuehrung anbringen: Es wackelt und zuckt und blitzt wie nix gutes. Der ganze Film ist super-hektisch geschnitten und flackert wie ne alte Taschenlampe. Okay, Tony Scott ist Veteran, der darf das, und der weiss, was er macht, aber trotzdem: Das ist wirklich sehr penetrant.
Gut dazu passt dafuer die Musik von Trent Reznor bzw. Nine Inch Nails, schoen scharf und zackig wie immer.
Der Trailer beschreibt den Film eigentlich schon ganz gut, und man kriegt auch das, was man erwartet. Unterhaltsam, kompromislos, und natuerlich doppelt gut fuer Leute, die Denzel moegen.
April 17, 2004
Kill Bill Vol. 2
Okay, es ist ja bekannt: Eigentlich haette Kill Bill ein einziger Film sein sollen. Schon der Original-Trailer sagte ja "In 2003, Uma Thurman will Kill Bill." War wohl nix, Hoerr Tarantino musste ja waehrend der Dreharbeiten noch neue Szenen dazuschreiben, und so wurde eben dieser Zweiteiler draus.
Ich denke immer mal wieder an Vol. 1 zurueck, und das war eigentlich schon ein fettes Werk. Es faengt an mit fetziger Action, dann kommt etwas tarantinische Langsamkeit ins Spiel, dann geht's wieder zur Sache, und Blutfontaenen spritzen meilenweit in die Luft. Trotz meiner Kritikpunkte, die ich damals angebracht hatte, wars am Ende doch fett.
Jetzt aber Vol. 2. Alle lieben den. Und wenn ich mir Teil 1 und 2 als ganzes vorstelle minus einiger langwierigen Szenen, dann waere das bestimmt ein sehr sehr guter Film. Aber in der jetztigen Aufmachung sind die ganzen aussergewoehnlichen Szenen in Vol. 1 gelandet, und Teil 2 ist dann eher so Reste-Essen.
Ist wie immer die Frage, was man erwartet. Der erste Teil hatte ja schoen verteile, blutige Gewalt, mit dem Hoehepunkt vom Kampf gegen die Crazy 88, wo Uma Thurman die Boesis im Duzend mit ihrem Schwert vierteilt. Sowas gibt's natuerlich nicht noch ein zweites Mal.
Was bleibt beim zweiten uebrig? Nicht mehr viel. Zwar hat sie thereotisch noch drei Leute auf ihrer Liste, aber das wars auch. Vor allem nehmen jene drei eigentlich nur einen kleinen Teil vom Film ein. Der Rest ist mit anderweitigen Szenen beschmueckt, die eigentlich ueberhaupt nichts zur Sache tun.
Die Kritiker sagen zwar, Teil 2 ist "less action and more story", aber what story?! Der Original-KB bestach ja eigentlich durch die extrem geradelinige Story, die als Leitfaden durch die teilweise sehr kinetischen Szenen gefuehrt hat.
Vor allem sind die "story"-Teile meist flashbacks, die eigentlich groesstenteils nur dienen, um Tarantinos vielseitigen Stile zu demonstrieren. Da sind z.B. die Hochzeits-Probe, bei der Bill ja bekanntlich mit seiner Truppe anrueckt und alles plattmacht. Das ist ein kompletter Akt (!), in dem wirklich nur beilaeufiger Dialog ist.
Dann ist ein flashback, in dem Uma Thurman im besten Billig-Hongkong-Film von einem alten chinesischen Meister trainiert wird, komplett mit wirklich alberner Kung-Fu-Film-Musik. Auch das ist eine sehr lange Szene mit sehr wenig Inhalt.
Ums noch komischer zu machen, wird es an einer Stelle gar richtig unrealistisch. Ich meine, okay, der Film hat nie probiert, realistisch zu sein, aber die Paula Schultz-Szene fand ich nun wirklich bekloppt. Und lang.
Aber - trotzdem hat der Film viele gelungene Gags, ist ab und an immer noch boesartig, und die Dialoge sind teilweise immer noch saftig (wenn auch nichts an Tarantinos ersteren Werke rankommt).
Also ich war ein wenig enttaeuscht.. aber anschauen tust du dir'n ja sowieso.
April 04, 2004
Never Die Alone
Aah. Bagel, wie du dir denken kannst, bin ich ein sucker fuer Ghetto-Dramas. Insofern konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, Never Die Alone zu sehen, auch wenn alle Zeichen auf "Plastik" standen.
Wie zum Beispiel die IMDB-Wertung von 4.3. Vor allem aber auch die Tatsache, dass alle Filme dieser Art in letzter Zeit einfach scheisse waren. Von Belly reden wir gar nicht erst. Sucker punch war ein Riesenstuss.
Ich hab also wirklich erst ueberlegt, ob ich echt reinsollte. Beim Scannen der reviews fand ich Sachen wie z.B. das hier: "If Never Die Alone had even a smidgeon of comic relief [...] to offset some of its relentlessly downbeat brutality, it might have been at best tolerable.", und "Never Die Alone subverts that vicarious enjoyment by showing violence and abuse so unrelentingly ugly that only a sadist could derive the least bit of pleasure from it.", und jemand anderes beschwerte sich ueber das komplette Fehlen jeglichen Mitgefuehls fuer Menschen und so. Das klingt doch einladend!
Es hat ja seit Blair Witch fast schon Tradition, dass Filme dieser Art in moeglichst haesslichem Material gefilmt werden. Das "sieht toll authentisch aus" und haelt die Kosten niedrig. Sucker Punch war ja echt auf Video gedreht und sah teilweise zum Fuerchten aus. Gang Tapes ist ja praktisch eine Videoaufnahme. NDA ist immerhin auf 16mm gedreht. Aber nicht nur sieht es (abgsehen von der unabwendbaren Grobkoernigkeit vom Material) angemessen gut, die cinematography ist teilweise wirklich bemerkenswert. Gut, ab und zu wackelt die Kamera ein wenig unbeholfen rum, aber es wirkt trotzdem professionell.
DMX ist King David, der schon in der allerersten Szene im Sarg zu sehen ist. Es ist ja immerhin schon bekannt, dass DMX kein guter Schauspieler ist, insofern erwartet man nicht so viel. Man muss aber eingestehen, dass er hier ganz gut in den Film passt. Das liegt wohl vor allem am Drehbuch, dass fuer einen Film dieser Art erstaunlich solide ist - es basiert ja auch auf einem Roman.
DMX spielt ein Arschloch. Ein Riesenarschloch. Er ist (gerade gegen Ende vom Film) so bestialisch fies, dass ich (und der eine andere Typ, der noch im Kino war) ein fieses Lachen nicht unterdruecken konnte. Seine Geschichte wird durch mehrere Straenge und Zeitspruenge erzaehlt, und auch wenn die Handlung nicht endlos tiefgruendig ist, ist sie immerhin stets kohaerent (im Gegensatz zu den anderen Peinlichkeiten, die ich oben erwaehnt hatte).
Der Film ist wenigstens auch konsequent - der eine Kritiker hatte sich ja aufgeregt, dass alles zu duester ist. Also comic relief haette den Film ruiniert. Stattdessen geht's 88 Minuten lang wirklich nur duester und depressiv zu.
Auch wenn natuerlich die alte Moral "Crime does not pay" unter der Handlung liegt, ist sie nicht so daemlich draufgedrueckt wie anderen Werken, wo der Protagonist sich ploetzlich dem Boesen abwendet und ein Heiliger wird. Hier erzaehlt DMX seine Geschichte via einer Autobiographie, die David Arquette in seinem Auto findet, und er ist von Anfang bis Ende Arschloch.
Natuerlich kann dieser Film Menace II Society nicht das Wasser reichen, aber er ist trotzdem erfrischend im Sumpf der anderen Uebeltaten, die ich in letzter Zeit so gesehen habe.
April 03, 2004
Hellboy
Oh Mann, diese Comic-zu-Film-Verhonzungen sind echt im Vormarsch. Schon wieder was. Hellboy. Wieder was, was ich nicht kenne. Ja, ich bin ein Kulturbanause.
Hm. Da faellt mir irgendwie auf, welch grossen Einfluss der lead auf den Film hat. Oh, welch Erkenntnis. Ja, danke, ich find mich auch klug.
Aber echt - mir faellt da Daredevil ein, mit Ben Arschleck, und der ist ja nur noch scheisse. Der Affleck jetzt. Und der Film auch.
Aber Hellboy? Der ist mit Ron Perlman. Und der ist die Macht.
Hellboy ist so'n schroffer Kerl, der so trocken wie die Wueste ist. Er bringt seine one-liner rueber wie kein anderer. Da fackelt er gemeinsam mit einem der boesen Monster in einer grossen Flamme ab, zuendet sich mit dem Feuer eine Zigarre an und meint: "I'm fireproof. You're not." Flacher Witz, aber aus Perlmans Zunge kommend ist das zum Wegschmeissen.
Und auch trotz seiner Superkraefte ist er immer so'n bissel pienzig. Da wird er von einer U-Bahn ueberfahren und sagt wehleidig "autschautschautsch", als ihm jeder einzelne Wagon gegen den Kopf knallt.
Der Film ist wirklich sehr unterhaltsam. Selbstverstaendlich ist alles sehr flach gehalten, aber dafuer mit umsomehr Wonne inszeniert. Der Film nimmt sich nicht ernst, und das ist auch gut so. Aber der Star ist ganz klar Ron Perlman. Ohne ihn waer das ganze nur eine leere Huelle.
Dabei ist der Film technisch ordentlich, aber nicht krass. Die Spezialeffekte sind zahlreich, aber teilweise nicht eben ueberzeugend (allerdings lang nicht so schlecht wie League of Extraordinary Gentlemen). Die Cinematography dagegen hat mir gut gefallen. Vor allem die Farbgebung ist sehr gut - die Bilder sind in zahlreichen Farben vertreten, aber nicht quietschebunt im Comic-Look. Es ist insgesamt eher duester, aber jeder Shot hat meistens eine besonders penetrante Grundfarbe, und irgendetwas sticht meist raus. So gibt es z.B. einige nette Shots, die fast komplett in hellerem Blau gehalten sind - nur Hellboy mit seiner roten Haut und braunen Mantel faellt ins Auge.
Auch wenn der Film kein Meisterwerk ist, ist er definitiv eine der besten Comic-Umsetzungen, die es im letzten Schwall von Adaptionen gab.
March 29, 2004
Wilbur wants to kill himself
Ah, wieder mal ein Spezialfilm im Sonderkino.
Wilbur wants to kill himself. Und das schon in der ersten Szene. Allerdings reichlich erfolglos. Aber seit dem Tod seiner Mutter versucht er's trotzdem immer wieder, und sein Bruder Harbour (beachte die passende Namensgebung) ist staendig beschaeftigt, ihn zu retten.
Sogar die Therapiegruppe fuer Suizidgefaehrdete schmeisst den staendig trockenen und sarkastischen Wilbur raus, der nie irgendwie depressiven, traenenvollen Sachen von sich gibt, sondern einfach nur ganz methodisch eine Verlaegerungsschnur an eine Stange knotet, um sich zu erhaengen, als er die Gelegenheit erblickt. Und als sein Bruder (der schon laengst alle scharfen Sachen aus seiner Wohnung in Sicherheit gebracht hat) einen Foen vorsorglich wegnimmt, als Wilbur ein Bad nimmt, meint der nur: "Mach dir keine Sorgen. Dafuer wuerde ich den Toaster nehmen."
Dann kommt Alice ins Leben der beiden, die immer wieder in Harbours Buchhandlung auftaucht, um Buecher zu verkaufen, die sich im Krankenhaus, wo sie arbeitet, findet. Und so weiter.
Hmm. Das ist schon wieder so ein kleiner Film, aehnlich wie Lost in Translation, der hochgelobt wird, aber mich nicht vom Sockel reissen will. Er geht ganz droege vor sich hin, und da tut sich einfach nichts. Die Bilder, angesetzt im muerrischen Schottland, sind kahl und farblos. Als Komoedie taugt der Film nicht viel, weil kaum Gags vorhanden sind. Als Drama ist da auch nicht viel mehr drin. Der grosse Wendepunkt (verrate ich mal, da du den Film eh nicht sehen wirst) ist, dass Harbour Bauchspeicheldruesenkrebs hat. Und wie Harbour bald sterben wird, beginnt Wilbur langsam, sich mehr ans Leben zu klammern. Das passiert etwa im 4. Akt, und ab da ist eigentlich der Rest vom Film voellig vorhersehbar.
Auch der Ton kann den Zuschauer nicht aufwecken. Musik ist fast gar keine da, eigentlich nur ein einziger suess-saurer score, der reichlich unbeeindruckend ist. Und die ganzen Leute reden doofes Englisch. Ist um Meilen verstaendlicher als dieses Genuschel von Trainspotting, aber trotzdem geht mir britisches Englisch einfach aufm Sack.
Ich versuche verzweifelt, den Sinn vom Film zu finden. Alle loben den Film, also muss da ja irgendwas sein. Aber ich finde da einfach nichts. Selbst Crimson Gold, der auch super-langsam und reichlich plot-arm war, bietet Stoff zum Nachdenken und hat viel Hintergrund. Aber hier?
March 27, 2004
The Ladykillers
Ein neuer Coen-Film!
Ladykillers ist ein wenig ein Fargo im Sueden. Wie Fargo spielt es in einer etwas hinterwaeldlichen Gegend mit nur bekloppten Leuten. Nur sind wir diesmal statt im eiskalten Norden im tiefsten Sueden gelandet, wie's tiefer nicht geht: In Mississippi, mit dicken Schwarzen, die froehlich in der Kirche gospeln. Und dementsprechend quirlig ist auch die Stimmung vom Film.
Dieses Umfeld macht den grossen Kontrast zu Fargo aus: Schon die erste fantastische Szene von Fargo mit der leicht depressiven Musik setzt die Szene, und der Film - trotz der vielen lustigen Elemente - ist deprimierend, als die Leute Stueck fuer Stueck sterben, und Marge fassungslos feststellt, dass der schweigsame Gaear nur wenig ein bisschen Geld die ganzen Leute umgebracht hat. Und natuerlich Jerry Lundegaard, der eigentlich auch nur ein armer Trottel ist, der am Ende schluchzt und heult, als die Polizei ihn kaescht.
Nicht so Ladykillers. Der ist genauso relaxed und sorglos wie die Einwohner der Stadt. Auch wenn die Handlung Kriminalitaet, verlorene Finger, Mord und anderweitige Todesursachen vorsieht, ist der Ton vom Film stets munter.
An sich ist der Plot denkbar einfach - Tom Hanks ist ein Mastermind, der sich als Untermieter bei der leicht debilen Marva Munson einnistet, die nur die Haelfte von dem versteht, was PhD Tom Hanks da von sich gibt ("PhD?!! Ffd?? Wasn des?"). Unter der Verkleidung, dass er und seine Kumpanen Kirchenmusik proben, hecken sie in Wirklichkeit einen grossen Coup aus.
Und hier kommt wieder die Staerke der Coens raus: Die Charakter sind brilliant. Jeder hat seine Macken, und so gibt's immer wieder Stress und Probleme. Durch die brillianten Dialoge kommt das blendend zur Geltung. Und anders als Fargo bewegt sich dieser Film auch viel schneller. Wenn er erst mal in Fahrt gekommen ist, geht es Szene fuer Szene fix im Plot weiter, ohne ueberfluessigen Kram. Selbst die Exposition ist wunderbar kurz, die Charakter werden im Schnelldurchlauf vorgestellt - aber jeweils mit viel Humor.
Auch die Kamera arbeitet wunderbar mit: Schon die allerersten shots sind bildschoen. Der Film sieht klasse aus, obwohl auch hier wieder mit Wasser gekocht wird und die Bilder durch Komposition und nicht Technik bestechen.
Okay, fairerweise sollte ich erwaehnen, dass dieser Film ein remake ist, und die ganzen Briten jammern jetzt wieder rum, dass die boesen Amis ihre Filme kopieren und alles kaputtmachen. Ist mir echt schwanz - der Film ist klasse und total coen, das Original ist von 1955, also darf er IMHO ohne Problem als eigenstaendiges Werk dastehen.
March 20, 2004
Eternal Sunshine of the Spotless Mind
Hat Charlie Kaufman eigentlich schon mal Muell gemacht? Kann sein. Aber jedenfalls bei keinem seiner Werke, die ich gesehen hab. Das Drehbuch von ESotSM reiht sich wunderbar ein: Es ist wieder mal klasse. Diesmal versucht sich Charlie Kaufman ein wenig an Memento. Naja, klein wenig.
Der Film ist anfangs ultra-abstruss, und der gnadenlos abgehackte Schnitt macht es einem nicht einfach, da reinzukommen. Erst spaeter kommt langsam etwas Sinn hinter alles. Dementsprechend will ich nicht besonders viel vom Plot erzaehlen, aber die Grundidee kennt man ja: Die Beziehung zwischen Jim Carrey und Kate Winslet hat nicht so hingehauen, und jetzt ist Jim bei einem Spezialarzt, der ihm jegliche Erinnerung an Kate Winslet ausloescht. Und diesen Trip begleiten wir im Film.
Jim Carrey - wieder so einer von denen, die ich weniger mag. Aber hier ist er sehr zurueckgehalten, kaum Grimassen oder sonstiger Quark. Er kommt in seiner Rolle sehr gut rueber. Auch Kate Winslet, die ich seit Titanic ja mal ueberhaupt nicht abkann, ist hier sehr ueberzeugend.
Die Technik ist ne andere Geschichte. Der Film an sich hat zum Teil sehr gute Spezialeffekte. An anderen Stellen dann sieht er ultra-dilettantisch aus. Da haben wir Beleuchtung, die aus einer ARD-Vorabendserie stammen koennte - andererseits koennte das absichtlich sein, um das ganze noch mehr wie eine Erinnerung aussehen zu lassen. Aber an einer Stelle watschelt Jim Carrey durch die Strassen, und die Scheinwerfer reflektieren wunderbar an einer grossen Glasscheibe. Also nicht nur ein bisschen, sondern voellig. Ist das Absicht? Warum? Der Ton ist manchmal rauschig und fast wie ein mono-Film. Absicht?
Wie man's von Kaufman erhoffen kann, hat der Film einige sehr lustige Stellen. Eine besondere Szene hat die gleiche Qualtiaet wie Malkovichs Selbstfindung - einfach brilliant. Anders als Being John Malkovich aber ist der Film wesentlich nachdenklicher, ruhiger - und unlustiger.
Zur Abrundung hat mir ein solider letzter Akt gefehlt. Der war jetzt nicht schlecht, aber irgendwie fand ich ihn schon ein wenig gehackt - ich hatte mir einfach was anderes erhofft.
Wirr. Wirr. Interessant. Falls du auch nur annaeherend die Kaufmanschen Werke magst, angucken.