Tja, was dann passiert, variiert. Schau'n wir doch mal, was Runaway Jury bringt.
Der Schauplatz: Da geht's schon los. Ein Grossteil aller Filme spielt in Los Angeles. Klaro, da wohnen alle Leute, da sind die ganzen Studios, da muss man nicht erst Riesenequipment fuer teures Geld durch die Gegend schippern. Platz 2 hat sicherlich New York City. Hier sind die meisten "Grosstadt-Filme" und Banker/Designer/Reiche-Wichser-Filme. Platz 3 koennte Florida (bzw. Flori-Duh) sein. Irgendwie kann ich einen Florida-Film einfach nicht richtig ernstnehmen, denn Florida ist absurd. Wie letztens bei "Out of time" (ueber den ich gar nichts geschrieben hab! Schande!); allein der Schauplatz Florida hat dem Film eine gewissene Niedlichkeit verliehen.
Aber Runaway Jury spielt in ... New Orleans. Tief in Louisiana, weit in den Suedstaaten. Das fand ich schon mal stark.
Bald geht's auch zum Fall: Dustin Hoffman vertritt eine Witwe, deren Mann in einer gut inszenierten Introsequenz erschossen wird. Und jetzt kommt auch schon das Problem: Sie verklagt die Waffenindustrie. Argl? Das ist so ziemlich mein pet peeve. Ein Geistesgestoerter, vorbestrafter Waschmittelverkaeufter hat meinen Hamster mit einem Solinger Messer aufgeschlitzt, und deswegen verklage ich jetzt.... Solingen. Logo. Okay, und dieser Mist dient leider als Motiv fuer die "Guten".
Zum Glueck wird dieses Motiv nicht allzuweit ausgebreitet, und auch Gefuehlsduselei bleibt beim Film fern. Erfrischenderweise. Noch erfrischender aber ist die performance von Gene Hackmann. Er ist der Mann. Gegen etwas Kleingeld der "fiesen" Waffenfirma hilft er etwas bei der Auswahl der Jury nach, in der sich auch John Cusack befindet, der in diesem Film schon wieder nicht saugt.
Im 2. Akt dann kommt ein guter Twist, der den Film wirklich interessant macht - denn jetzt ist es ploetzlich kein simples Gezanke zwischen Hoffman (Gut) und Hackmann (Boese) mehr. Und das zieht sich den ganzen Film weiter - dadurch wird die eigentliche Verhandlung mit ihrem saudoofen Motiv fast zur Nebensache.
Der Film ist schnell, aber sauber geschnitten. Da langweilt man sich nicht, die Szenen gehen in rapidem Tempo voran. Die Schauspieler haben alle ihren eigenen Plan, aber Hackmann spielt sie alle in Grund und Boden. In einer Szene, in der er sich mit Hoffman privat ueber den Fall auslaesst, hat er echt fast schon eine gaensehautmachende Ausstrahlung.
Nur... tja.. die letzten 10 Minuten haben mich dann enttaeuscht. Und auf die Gefahr hin, dass ich jetzt schon wieder als Waschlappen dastehe, sage ich: Der Film ist trotzdem gut. Diese Dreiecksbeziehung zwischen den Parteien haelt den Film am Leben. Nebenbei bemerkt fand ichs auch mal erfreulich, dass einem der Trailer nicht gleich den ganzen Film inklusive aller Wendung (a la "Empire") verraet.
Also. Bagel, schmeiss den Esel an. Naja, machst du eh nicht, guckst ja nur noch abstrussen Kram, den keiner kennt. Dann halt nicht.
Posted by ebomike at November 16, 2003 06:39 AM
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