October 11, 2003

Kill Bill

Wie ja schon der Trailer in aufdringlichen Grossbuchstaben verraet, ist Tarantino wieder da. Und diesmal schickt er sich an, seine Liebe zu alten Hong-Kong-Martial-Arts-Filmen zu demonstrieren.

Ich hatte mir mal bewusst den Trailer fuer Volume 1 nicht angeschaut, nur den Original-Trailer von damals, als Kill Bill noch als ein Film geplant war. Jetzt ist ja so ein langes Werk draus geworden, dass ihn Tarantino in zwei Teile zerschnippelt hat. Das macht ja langsam Schule, aber zum Glueck kommen alle Schnippelfilme (LOTR, Matrix, Kill Bill) gegen Ende dieses Jahres zu Ende.

Der Trailer laesst ja wirklich auf einen klassischen Wire-Fu-Film schliessen, bei dem der groesste Teil aus aufwendig choreographierten Schwertkaempfen besteht. Hmm, haha, denkste. Ist halt doch Tarantino, aber diesmal hat er was ganz neues gewagt.

Wir finden natuerlich viele seiner Trademarks im Film: Wie immer wird lustig an der timeline vor- und zurueckgesprungen. Und wie immer ist das Tempo etwas gelassener, wobei es hier doch haeufig etwas rasanter zur Sache geht als bei den anderen Filmen. Und der Film ist fuer tarantinische Verhaeltnisse nicht sehr dialoglastig, aber trotzdem gibt's noch die ueblichen Unterhaltungen, die im Endeffekt pointless sind.

Da besorgt sich Uma zum Beispiel ein Schwert. Okay, in einen anderen Film wuerde sie vielleicht zu Swords'R'Us gehen, ein gutes Schnippli finden, bezahlen, fertig. Eine Sache von 20 Sekunden Film. Aber nein - hier geht sie nach Japan, wo sie erst mal 5 Minuten lang in einer Bar eine doofe amerikanische Touristin mimt. Dann enthuellt sie, dass sie ja eigentlich perfekt japanisch spricht (na gut, ihre Aussprache ist grauenvoll, wie mir unser Japaner Hiro-San erzaehlt hat), und der Barkeeper eigentlich DER Schwertschmied ueberhaupt ist, und dann gibt's noch mehr bla bla, und 10 Minuten spaeter hat sie dann endlich ihr Messer und geht los.

Jaja, schlag mich nicht, die Szene(n!) hatt' ja schon etwas Sinn gehabt, aber der Punkt ist: Uma Thurman hat 15 Minuten gebraucht, um sich ihr Schwert zu besorgen, und die beiden Charaketer, die sie dabei getroffen hat, sieht man nicht mehr. Klar, so kommt ein 4-Stunden-Werk zusammen.

Und wofuer das Messer? Na klar, sie hat ne kleine Shitlist von Leuten, die sie metzeln will. Interessanterweise aber erklaert hier der Trailer mehr als das komplette "Volume 1" selbst: Eigentlich erfahren wir nie so recht, warum eigentlich Uma seinerzeit reichlich geplaettet wurde und jetzt Rache will. Naja, man kann sichs denken, aber so klipp und klar wie im Trailer erfaehrt mans im Film nicht.

Aber muss man auch nicht, die ganze Handlung ist wirklich extremst geradlinig, selbst mit der Zeitspringerei von QT. Uma will Rache, also geht sie ihre Shitlist durch und metzelt jeden. Kein Subplot oder irgendwelche Spielereien.

Das Tempo variiert hier mehr als sonst, selbst innerhalb von Szenen: Da ist z.B. die grosse Schwertfight-Szene, die praktisch den gesamten ersten Trailer ausgemacht hat: hier kommen Leute Stueck fuer Stueck an und schwertern sich mit Uma. Leute rennen auf Uma zu --- und bleiben stehen. Alle starren sich an, sekundenlang. Keine Musik. Stille. Ruhe. Und dann machts ratzratzbrratz, und die Leute sind zerteilt.

Zerteilen - genau. Leute werden reichlich blutig zerteilt, aber auch extrem unrealistisch - das ganze wirkt wie ein Manga/Anime... und auch ein wenig wie Monty Python. Wenn jemand den Kopf oder Arm abgehackt bekommt, spritzt eine riiiesige Blutfontaene aus dem Stumpf. Beachte auch den Trailer - siehst den ganzen Dreck auf Uma's Bruce-Lee-artigen gelben Anzug? Das ist Blut. Fuer den Trailer digital in Dreck verwandelt.

Quents bruestet sich ja damit, dass der Film "old-school" ist und keine digitalen Effekte und nicht mal Squibs benutzt - die ganzen "kleinen" Blutspritzers sind blutgefuellte Kondome. Aber trotzdem steckt da schon einiges an Schnickschnack drin. Da ist z.B. eine Sequenz, in der wir im inneren einer Pistole sehen, wie ein Schuss losgeloest wird, vom Schlagbolzen bis zum Geschoss, das in Zeitlupe durch den Lauf zischt.

Oder noch besser - die Hintergrundgeschichte von Lucy Liu wird als 10 Minuten langer Zeichentrickfilm gezeigt (von einem sehr bekannten japanischen Studio gemacht). Und natuerlich auch da wieder mit meterhohen Blutfontaenen.

Auch sonst ist der Film sehr "Film": Uma Thurman ist betont namenlos. In einer Szene, in der ihr Name faellt, wird der Name einfach ausgebiept. Spaeter dann laeuft Uma vor einem prominenten "Red Apples"-Plakat rum. Oder einmal killt sie dieselbe Person scheinbar zweimal, die dann auch zweimal in den gleichen Tuempel faellt - so sah's zumindest aus.

Naja, ich erwaehne immer nur Bruchstuecke vom Film. Kommen wir zum Fazit: Auf jeden Fall mal was neues, sehr extravagant, beliebig abstruss, aber wirklich nicht langweilig, trotz der ueblichen langsamen Inszenierung. Will Teil zwei sehen!! Posted by ebomike at October 11, 2003 06:05 AM

Comments

schön beschrieben !

Posted by: pannbiff at October 20, 2003 08:32 PM

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Posted by: sperm count increase at June 14, 2005 08:03 PM
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