January 11, 2004

Paycheck

Bogal! Bei Paycheck wars es sehr deutlich, wie mich schon die Vorzeichen beeinflussen, bevor der Film selbst ueberhaupt angeht.

Ich erinnerte mich noch vage an den Trailer, den ich vor Weihnachten gesehen hatte, und wusste, der hatte etwas Action und sah nicht ganz schlecht aus. Heute geguckt.. und dann ging's los:

OH NEIN - auf der Kinokarte steht "PG-13". Nicht gut. Gerade in Verbindung mit Action bedeutet das meist: Kinder-Action. Zurueckgehaltene Sprache. Alles runtergeschraubt.

GEIL!! - Der Film ist von John Woo. Auch wenn er viel Quatsch macht, hab ich prinzipiell nichts gegen ihn.

OH NEIIN - Ben Affleck?!! Bitte nicht! Weg mit dem! Braucht keiner!

GEIL!! - Basiert auf ner Kurzgeschichte von Philip K. Dick. Das koennte cool werden!

Und dann ging's los. Sehr nett finde ich, dass der Film anfangs einige interessante Sachen in den Raum wirft, ohne dass man weiss, wohin es im Hauptteil wirklich gehen wird.

Schon die Exposition: Affleck ist toller reverse engineer, der fuer Firmen Technologie klaut, nachbaut und verbessert. Das moechten die Firmen ganz gerne geheimhalten, deswegen wird Affleck nach jedem Auftrag die Erinnerung an seine Arbeit ausgeloescht - meist um die acht Wochen rum.

Affleck findet das gar nicht uebel - er verdient dick Asche, und als ihn jemand fragt, ob ihm das mit dem Hirn-Wischen nicht juckt, meint er, nein, warum? Er erinnert sich an einen Urlaub in Hawaii, an ein gutes Spiel von meinem Lieblings-Baseball-Team, und Urlaub sonstwo. Sein Leben ist praktisch eine Aneinanderreihung von Highlights.

Wow - allein das inspiriert mich schon zu einem Artikel auf milkastrom. Aber weiter.

Jetzt kommt die Chance auf einen grossen Auftrag, nach dem Affleck finanziell ausgesorgt hat. Aber der dauert drei Jahre.

Als er sich kurz nach Beginn in Uma Thurman verliebt, zoegert er: In drei Jahren wird er sich nicht mehr dran erinnern. Aber was jetzt in den drei Jahren passiert, erfahren wir nicht. Zwei shots spaeter sind drei Jahre vergangen, und der Zuschauer weiss genausowenig wie Affleck.

Als Affleck seine Praemie kassieren will, geht der Aerger langsam los, und jetzt kommen noch mehr Dick-ige Elemente: Jetzt geht's noch darum, in die Zukunft gucken zu koennen... aber ich will vom Plot mal nicht zuviel verraten.

Auf jeden Fall wirds bald gehoerig action-lastiger, und Affleck ist auf der Flucht vor boesen Leuten, die was gegen ihn haben, weil er wohl irgendwas angestellt hat. Nur was, weiss er halt nicht. Naja, also das haben wir wirklich schon tausendmal in Filmen gesehen, aber mit dem zweiten Element - dieses in-die-Zukunft-guck-Ding - kommt ein ganz neuer Twist rein. Ach, ich verrat doch nochmal was: Affleck hat sich innerhalb der drei Jahre einen Plan zusammengestellt und die noetigen "Zutaten" an sich selbst geschickt. Nach den drei Jahren hat er diese Zutaten, aber keinen Plan, was er mit ihnen machen soll.

Zur Ausfuehrung. John Woo wird auch langsam erwachsen. Seine doofen Moewen da sind immer noch mit von der Partie, aber nur kurz. Auch sind praktisch nur die Shots in Zeitlupe, bei denen es Sinn hat. Der klassische stand-off ist mehrfach drin. Action ist ne Menge da, und von Woo solide inszeniert - was anderes sollte man auch nicht erwarten. Und ja, es sind Tauben. Ich weiss.

Man koennte etwas sauer sein auf den Film, dass er interessante Storyelemente nimmt (diese Gehirnwaesche, die Vorhersagensache, etc.) und am Ende eigentlich doch nur ein Actionspektakel daraus macht. Aber andererseits.. auch Blade Runner ist nicht sehr tief in das Material von Dick gegangen. Allemal besser als Demolition Man, der viel Potential gehabt haette, mal etwas von Huxley zu demonstrieren, aber echt nur an der Oberflaeche schrammt. Man haette schlimmeres erwarten koennen von dem Drehbuchautor, der eigentlich recht duenne Sachen schreibt.

Immerhin ist der Film unterhaltsam. Viel Action, gute Action, und keine langweiligen Stellen oder peinliches Gedusel. Man kann sogar darueber hinwegsehen, dass Ben Affleck die Hauptrolle spielt. Loecher im Plot gibt's aber in Massen, man darf also nicht zu tief greifen. Besser ist es, die Elemente, die leicht angedeutet werden, zu angeln und selbst weiterzudenken.

Posted by ebomike at January 11, 2004 10:46 PM
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