March 27, 2004

The Ladykillers

Ein neuer Coen-Film!

Ladykillers ist ein wenig ein Fargo im Sueden. Wie Fargo spielt es in einer etwas hinterwaeldlichen Gegend mit nur bekloppten Leuten. Nur sind wir diesmal statt im eiskalten Norden im tiefsten Sueden gelandet, wie's tiefer nicht geht: In Mississippi, mit dicken Schwarzen, die froehlich in der Kirche gospeln. Und dementsprechend quirlig ist auch die Stimmung vom Film.

Dieses Umfeld macht den grossen Kontrast zu Fargo aus: Schon die erste fantastische Szene von Fargo mit der leicht depressiven Musik setzt die Szene, und der Film - trotz der vielen lustigen Elemente - ist deprimierend, als die Leute Stueck fuer Stueck sterben, und Marge fassungslos feststellt, dass der schweigsame Gaear nur wenig ein bisschen Geld die ganzen Leute umgebracht hat. Und natuerlich Jerry Lundegaard, der eigentlich auch nur ein armer Trottel ist, der am Ende schluchzt und heult, als die Polizei ihn kaescht.

Nicht so Ladykillers. Der ist genauso relaxed und sorglos wie die Einwohner der Stadt. Auch wenn die Handlung Kriminalitaet, verlorene Finger, Mord und anderweitige Todesursachen vorsieht, ist der Ton vom Film stets munter.

An sich ist der Plot denkbar einfach - Tom Hanks ist ein Mastermind, der sich als Untermieter bei der leicht debilen Marva Munson einnistet, die nur die Haelfte von dem versteht, was PhD Tom Hanks da von sich gibt ("PhD?!! Ffd?? Wasn des?"). Unter der Verkleidung, dass er und seine Kumpanen Kirchenmusik proben, hecken sie in Wirklichkeit einen grossen Coup aus.

Und hier kommt wieder die Staerke der Coens raus: Die Charakter sind brilliant. Jeder hat seine Macken, und so gibt's immer wieder Stress und Probleme. Durch die brillianten Dialoge kommt das blendend zur Geltung. Und anders als Fargo bewegt sich dieser Film auch viel schneller. Wenn er erst mal in Fahrt gekommen ist, geht es Szene fuer Szene fix im Plot weiter, ohne ueberfluessigen Kram. Selbst die Exposition ist wunderbar kurz, die Charakter werden im Schnelldurchlauf vorgestellt - aber jeweils mit viel Humor.

Auch die Kamera arbeitet wunderbar mit: Schon die allerersten shots sind bildschoen. Der Film sieht klasse aus, obwohl auch hier wieder mit Wasser gekocht wird und die Bilder durch Komposition und nicht Technik bestechen.

Okay, fairerweise sollte ich erwaehnen, dass dieser Film ein remake ist, und die ganzen Briten jammern jetzt wieder rum, dass die boesen Amis ihre Filme kopieren und alles kaputtmachen. Ist mir echt schwanz - der Film ist klasse und total coen, das Original ist von 1955, also darf er IMHO ohne Problem als eigenstaendiges Werk dastehen.

Posted by ebomike at March 27, 2004 10:26 PM
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