Aah. Bagel, wie du dir denken kannst, bin ich ein sucker fuer Ghetto-Dramas. Insofern konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, Never Die Alone zu sehen, auch wenn alle Zeichen auf "Plastik" standen.
Wie zum Beispiel die IMDB-Wertung von 4.3. Vor allem aber auch die Tatsache, dass alle Filme dieser Art in letzter Zeit einfach scheisse waren. Von Belly reden wir gar nicht erst. Sucker punch war ein Riesenstuss.
Ich hab also wirklich erst ueberlegt, ob ich echt reinsollte. Beim Scannen der reviews fand ich Sachen wie z.B. das hier: "If Never Die Alone had even a smidgeon of comic relief [...] to offset some of its relentlessly downbeat brutality, it might have been at best tolerable.", und "Never Die Alone subverts that vicarious enjoyment by showing violence and abuse so unrelentingly ugly that only a sadist could derive the least bit of pleasure from it.", und jemand anderes beschwerte sich ueber das komplette Fehlen jeglichen Mitgefuehls fuer Menschen und so. Das klingt doch einladend!
Es hat ja seit Blair Witch fast schon Tradition, dass Filme dieser Art in moeglichst haesslichem Material gefilmt werden. Das "sieht toll authentisch aus" und haelt die Kosten niedrig. Sucker Punch war ja echt auf Video gedreht und sah teilweise zum Fuerchten aus. Gang Tapes ist ja praktisch eine Videoaufnahme. NDA ist immerhin auf 16mm gedreht. Aber nicht nur sieht es (abgsehen von der unabwendbaren Grobkoernigkeit vom Material) angemessen gut, die cinematography ist teilweise wirklich bemerkenswert. Gut, ab und zu wackelt die Kamera ein wenig unbeholfen rum, aber es wirkt trotzdem professionell.
DMX ist King David, der schon in der allerersten Szene im Sarg zu sehen ist. Es ist ja immerhin schon bekannt, dass DMX kein guter Schauspieler ist, insofern erwartet man nicht so viel. Man muss aber eingestehen, dass er hier ganz gut in den Film passt. Das liegt wohl vor allem am Drehbuch, dass fuer einen Film dieser Art erstaunlich solide ist - es basiert ja auch auf einem Roman.
DMX spielt ein Arschloch. Ein Riesenarschloch. Er ist (gerade gegen Ende vom Film) so bestialisch fies, dass ich (und der eine andere Typ, der noch im Kino war) ein fieses Lachen nicht unterdruecken konnte. Seine Geschichte wird durch mehrere Straenge und Zeitspruenge erzaehlt, und auch wenn die Handlung nicht endlos tiefgruendig ist, ist sie immerhin stets kohaerent (im Gegensatz zu den anderen Peinlichkeiten, die ich oben erwaehnt hatte).
Der Film ist wenigstens auch konsequent - der eine Kritiker hatte sich ja aufgeregt, dass alles zu duester ist. Also comic relief haette den Film ruiniert. Stattdessen geht's 88 Minuten lang wirklich nur duester und depressiv zu.
Auch wenn natuerlich die alte Moral "Crime does not pay" unter der Handlung liegt, ist sie nicht so daemlich draufgedrueckt wie anderen Werken, wo der Protagonist sich ploetzlich dem Boesen abwendet und ein Heiliger wird. Hier erzaehlt DMX seine Geschichte via einer Autobiographie, die David Arquette in seinem Auto findet, und er ist von Anfang bis Ende Arschloch.
Natuerlich kann dieser Film Menace II Society nicht das Wasser reichen, aber er ist trotzdem erfrischend im Sumpf der anderen Uebeltaten, die ich in letzter Zeit so gesehen habe.
Posted by ebomike at April 4, 2004 11:12 PM