August 07, 2004

Collateral

Yo Bagel,

kam mir gerade wieder - die Filmindustrie ist irgendwie viel ausgekluegelter. Release-Daten fuer Filme werden strategisch platziert; so gibt es z.B. die typischen "Sommer-Blockbuster". Das sind Filme wie Spider-Man oder X-Men, die sind PG-13 und fuer den Massenkonsum.

Man kann echt die Jahreszeit erkennen, wenn man auf ein Kino-Billboard guckt: Im Sommer ist es fast nur PG-13.

Dann aber gibt's auch im Sommer die kleinen R-Rated Haeppchen zwischendurch, die spaerlich in das Kinoprogramm einstreut werden: Wie z.B. Confessions Of a Dangerous Mind als re-release letztes Jahr, oder Collateral jetzt. In D z.B. werden Kinofilme ja irgendwie wahllos eingeworfen, scheinbar gerade so, wie die Verleihs die Filme aufgreifen.

Der Trailer ist schon mal nett, und der Film wurde auch halbwegs gehypt hier. Da bin ich schon mal mit halbwegs saftigen Erwartungen rein - sowas sollte man ja eigentlich nicht machen.

Aber in diesem Fall hat's geklappt - von der ersten Szene an hat mir der Ton vom Film gefallen. Man muss sich an den look erst mal gewoehnen - er ist auf HDTV geschossen, und spielt praktisch komplett nachts. Dadurch gibt's ein wenig grobkoernigkeit und Rumgekrissel, aber ohne TV-Look oder sowas.

Michael Mann wollte den Film sehr "authentisch" halten - deswegen schon mal das digitale Format und auch das komplette Fehlen jeglicher Credits am Anfang.

Es geht auch relativ bald zur Sache: Nachdem wir Jamie Foxx kennenlernen, wie er nachts zankende Paare und hektische Geschaeftsleute quer durch Los Angeles faehrt, das er in- und auswendig kennt, steigt irgendwann Tom Cruise ein.

Und dann geht's los. Tom Cruise faehrt zu einem Wohnhaus, meint aber, er hat insgesamt 5 Stops zu machen und bittet Jamie zu warten. Und siehe da, da du ja bestimmt den Trailer gesehen hast, weisst du schon, dass dann ploetzlich eine soon-to-be-Leiche auf das Taxi kracht, komplett mit dem Dialog "You killed him!!" - "Nah, I shot him. Bullets and the fall killed him."

Und schon dient Jamie als Fahrer fuer Tom Cruise, der quer durch die Stadt faehrt und eine Spur der Verwuestung hinterlaesst.

Filme in dieser Richtung gab's schon oft. Collateral ist aber trotzdem sehr nett anzuschauen: Zum einen sind die beiden Charakter, die sich unfreiwillig kennenlernen, erstaunlich tief ausgebaut: Da ist der reichlich zynische Tom Cruise, der gesehen hat, wie unbeudeutungsvoell ein Individuum im Universum ist und seinen Job mit einer dementsprechenden Ruhe und Indifferenz ausfuehrt. Jamie dagegen redet sich ein, dass er grosse Plaene hat und dass seine 12-jaehrige Taxikarriere nur ein "temporary part-time job" ist.

Dann besticht der Film dadurch, dass er sauber ausgefuehrt ist - bis zum Schluss hin gibt es keine albernen und keine langgezogenen Szenen, und ab und zu wirklich lustige Situationen. Es gibt eine kleine Portion von "huch-so-ein-Zufall"-Plotelementen, und ein paar kleine Klischees, aber alles im tragbaren Rahmen.

Im Nachhinein denkt man an viele Szenen, und bei den meisten sagt man sich, "irgendwie war die sehr gut". Da ist die Szene im Jazz-Schuppen, die mir irgendwie sehr gut gefallen hat. Dann die Szene im Club, die gute Musik hatte, dynamisch war, und uebersichtlich geschnitten, obwohl viel passiert ist. Nur die ansonsten wunderschoene Jada Pinkett sah nicht so besonders aus hier.

In der Fuelle der Sommer-Blockbuster ist das auf jeden Fall einer der Filme, die ich in dieser harten Zeit des PG-13-Ueberflusses am meisten brauche. Definitiv auf meiner "must-have" DVD-Liste.

Posted by ebomike at August 7, 2004 11:18 AM
Comments
Post a comment









Remember personal info?