Dieser Film koennte aus den 70ern kommen. Ist nicht abwertend gemeint, aber allein schon der look ist sehr trist: Es spielt im widerwaertigen Boston, wo es staendig wolkig ist. In allen Haeusern sind altbackene, dreckige Holzmoebel, potthaessliche Tapeten schmuecken die Waende, und die Farben sind im rustikalen braun und gruen.
Auch von den Aufnahmen her ist der Film zwar solide, aber konventionell. Wenn nicht die modernen Autos zu sehen waeren, koennte der Film wirklich schon etwas betagt sein.
Generell geht's um drei Nachbarsbuben, die gemeinsam aufwachsen und dann ihre getrennten Wege gehen. Der Cast ist jedenfalls klasse: Laurence Fishburne, Sean Penn, Tim Robbins, Kevin Bacon. So richtig happy ist keiner: Kevin Bacons Frau ist vor sechs Monaten abgehauen, Tim Robbins plagt ein Kindheitstrauma, aber richtig arg erwischt es Sean Penn, dessen 19-jaehrige Tochter tot aufgefunden wird.
Anfangs wird der Film sehr fragmentiert erzaehlt, aber bald fuegt sich das Bild Stueck fuer Stueck zusammen. Aber bis zum Schluss ist es ein langer weg, denn der Film hat mit seinen 2 Stunden und 17 Minuten ein sehr getragenes Tempo. Er ist nicht langweilig, aber er ist eben ein typischer, ruhiger Erzaehlfilm.
Ist an sich ja nicht schlecht, und auch Musik gibt es praktisch keine - ausser ab und zu den original score, und den finde ich zum Davonlaufen. Der ist teilweise sogar von Eastwood selbst. Die Musik hat mich jedenfalls aktiv aufgeregt: Bei vielen Szenen wurde jeglicher Ansatz einer Atmosphaere oder Emotion durch die daemliche Musik (die eigentlich immer dieselbe ist) ruiniert. Ich wuerde den Film gerne mal sehen mit Musik von Thomas Newman oder so.
Aber wenn man darueber hinwegsieht (oder sich gescheite Musik hinzudenkt), ist der Stoff interessant; selbst der Hoehepunkt ist kein fauler Ausweg wie bei so vielen anderen Filmen. Nur leider finde ich dann die Aufloesung vom Ganzen sehr enttaeuschend - es ist kein herbeigezogenes happy end, aber trotzdem haette man aus diesem Material im letzten Akt so viel mehr machen koennen.
Und Fazit jetzt? Jaja, du erwartest jetzt wieder, dass ich weich werde und den Film trotz allem unterhaltsam fand, und dann sagst du mir wieder dass ich alt werde und so. Naja, ich fand den Film wirklich interessant, aber die obengenannten Kritikpunkte haben dem Film schon einiges weggenommen. Leider.
Ich hatte mir mal bewusst den Trailer fuer Volume 1 nicht angeschaut, nur den Original-Trailer von damals, als Kill Bill noch als ein Film geplant war. Jetzt ist ja so ein langes Werk draus geworden, dass ihn Tarantino in zwei Teile zerschnippelt hat. Das macht ja langsam Schule, aber zum Glueck kommen alle Schnippelfilme (LOTR, Matrix, Kill Bill) gegen Ende dieses Jahres zu Ende.
Der Trailer laesst ja wirklich auf einen klassischen Wire-Fu-Film schliessen, bei dem der groesste Teil aus aufwendig choreographierten Schwertkaempfen besteht. Hmm, haha, denkste. Ist halt doch Tarantino, aber diesmal hat er was ganz neues gewagt.
Wir finden natuerlich viele seiner Trademarks im Film: Wie immer wird lustig an der timeline vor- und zurueckgesprungen. Und wie immer ist das Tempo etwas gelassener, wobei es hier doch haeufig etwas rasanter zur Sache geht als bei den anderen Filmen. Und der Film ist fuer tarantinische Verhaeltnisse nicht sehr dialoglastig, aber trotzdem gibt's noch die ueblichen Unterhaltungen, die im Endeffekt pointless sind.
Da besorgt sich Uma zum Beispiel ein Schwert. Okay, in einen anderen Film wuerde sie vielleicht zu Swords'R'Us gehen, ein gutes Schnippli finden, bezahlen, fertig. Eine Sache von 20 Sekunden Film. Aber nein - hier geht sie nach Japan, wo sie erst mal 5 Minuten lang in einer Bar eine doofe amerikanische Touristin mimt. Dann enthuellt sie, dass sie ja eigentlich perfekt japanisch spricht (na gut, ihre Aussprache ist grauenvoll, wie mir unser Japaner Hiro-San erzaehlt hat), und der Barkeeper eigentlich DER Schwertschmied ueberhaupt ist, und dann gibt's noch mehr bla bla, und 10 Minuten spaeter hat sie dann endlich ihr Messer und geht los.
Jaja, schlag mich nicht, die Szene(n!) hatt' ja schon etwas Sinn gehabt, aber der Punkt ist: Uma Thurman hat 15 Minuten gebraucht, um sich ihr Schwert zu besorgen, und die beiden Charaketer, die sie dabei getroffen hat, sieht man nicht mehr. Klar, so kommt ein 4-Stunden-Werk zusammen.
Und wofuer das Messer? Na klar, sie hat ne kleine Shitlist von Leuten, die sie metzeln will. Interessanterweise aber erklaert hier der Trailer mehr als das komplette "Volume 1" selbst: Eigentlich erfahren wir nie so recht, warum eigentlich Uma seinerzeit reichlich geplaettet wurde und jetzt Rache will. Naja, man kann sichs denken, aber so klipp und klar wie im Trailer erfaehrt mans im Film nicht.
Aber muss man auch nicht, die ganze Handlung ist wirklich extremst geradlinig, selbst mit der Zeitspringerei von QT. Uma will Rache, also geht sie ihre Shitlist durch und metzelt jeden. Kein Subplot oder irgendwelche Spielereien.
Das Tempo variiert hier mehr als sonst, selbst innerhalb von Szenen: Da ist z.B. die grosse Schwertfight-Szene, die praktisch den gesamten ersten Trailer ausgemacht hat: hier kommen Leute Stueck fuer Stueck an und schwertern sich mit Uma. Leute rennen auf Uma zu --- und bleiben stehen. Alle starren sich an, sekundenlang. Keine Musik. Stille. Ruhe. Und dann machts ratzratzbrratz, und die Leute sind zerteilt.
Zerteilen - genau. Leute werden reichlich blutig zerteilt, aber auch extrem unrealistisch - das ganze wirkt wie ein Manga/Anime... und auch ein wenig wie Monty Python. Wenn jemand den Kopf oder Arm abgehackt bekommt, spritzt eine riiiesige Blutfontaene aus dem Stumpf. Beachte auch den Trailer - siehst den ganzen Dreck auf Uma's Bruce-Lee-artigen gelben Anzug? Das ist Blut. Fuer den Trailer digital in Dreck verwandelt.
Quents bruestet sich ja damit, dass der Film "old-school" ist und keine digitalen Effekte und nicht mal Squibs benutzt - die ganzen "kleinen" Blutspritzers sind blutgefuellte Kondome. Aber trotzdem steckt da schon einiges an Schnickschnack drin. Da ist z.B. eine Sequenz, in der wir im inneren einer Pistole sehen, wie ein Schuss losgeloest wird, vom Schlagbolzen bis zum Geschoss, das in Zeitlupe durch den Lauf zischt.
Oder noch besser - die Hintergrundgeschichte von Lucy Liu wird als 10 Minuten langer Zeichentrickfilm gezeigt (von einem sehr bekannten japanischen Studio gemacht). Und natuerlich auch da wieder mit meterhohen Blutfontaenen.
Auch sonst ist der Film sehr "Film": Uma Thurman ist betont namenlos. In einer Szene, in der ihr Name faellt, wird der Name einfach ausgebiept. Spaeter dann laeuft Uma vor einem prominenten "Red Apples"-Plakat rum. Oder einmal killt sie dieselbe Person scheinbar zweimal, die dann auch zweimal in den gleichen Tuempel faellt - so sah's zumindest aus.
Naja, ich erwaehne immer nur Bruchstuecke vom Film. Kommen wir zum Fazit: Auf jeden Fall mal was neues, sehr extravagant, beliebig abstruss, aber wirklich nicht langweilig, trotz der ueblichen langsamen Inszenierung. Will Teil zwei sehen!!
Naja, dann schreibe ich halt mal ueber Matchstick Men. Der Trailer sah nett aus, und so bin ich halt reingegangen, dem Fakt zum Trotz, dass Nicholas Cage leadet und der Film PG-13 ist. Immerhin ist ja Sam Rockwell dabei.
Und - der Film ist tatsaechlich gut, und Nicholas Cage saugt nicht. Im Gegenteil - er ist echt witzig! Auch Ridley Scott hat eingesehen, dass es nicht vorteilhaft ist, als Regisseur zu stinken, und hat es klugerweise unterlassen. Der Fokus vom Film ist aber ein anderer, als der Trailer einen Glauben machen will: Es geht hier weniger um Cage und Rockwell als Gaunerduo, die das dicke Geld machen (obwohl das schon der rote Faden ist), es geht vielmehr um Cage und seinen wirklich koestlich inszenierten Sauberkeits-Tick (bzw. ALLE seine Ticks) - und natuerlich um seine Entwicklung vom Gauner ohne Leben zum gefuehlvollen Menschen, der entdeckt, dass er seit 14 Jahren Vater ist und das jetzt nachholen will.
Und am Ende kommt ein netter Twist, den wir zwar schon fuenftausendmal gesehen haben, aber hier sogar noch halbwegs glaubhaft kommt. Er enthaelt zwar eins meiner pet peeves, aber wenigstens noch im Zaum gehalten, so dass ich mich nicht drueber aufregen muesste.
Die Inszenierung ist wirklich sauber - Ridley Scott ist halt doch noch der Mann. Es gibt keine unnoetig langgezogenen Szenen und keine laecherliche Gefuehlsduselei. Das Tempo ist durchgehend schnell, und Scott bedient sich reichlich an den kontemporaeren MTV-Schnittrythmus - allerdings behaelt er dabei noch Ueberblick und schneidet nicht wild und unkontrolliert durch die Gegend rum.
Raus kommt am Ende ein sehr unterhaltsamer Film, den man sich getrost mal angucken kann. Den Epilog fand ich nicht mehr so knackig, aber er ist nicht schlecht genug, um den Film zu ruinieren.