November 16, 2003

Runaway Jury

Kennen wir die Geschichte nicht? Ich seh einen Trailer lange, bevor der Film rauskommt, und ich freue mich schon doll auf den Film, weil der Trailer vielversprechend aussieht. Dann kommen die ersten Kritiken, und die sind eher mittelmaessig. Und dann denk ich mir, hmpflsx. Und geh in den Film.... und dann...

Tja, was dann passiert, variiert. Schau'n wir doch mal, was Runaway Jury bringt.

Der Schauplatz: Da geht's schon los. Ein Grossteil aller Filme spielt in Los Angeles. Klaro, da wohnen alle Leute, da sind die ganzen Studios, da muss man nicht erst Riesenequipment fuer teures Geld durch die Gegend schippern. Platz 2 hat sicherlich New York City. Hier sind die meisten "Grosstadt-Filme" und Banker/Designer/Reiche-Wichser-Filme. Platz 3 koennte Florida (bzw. Flori-Duh) sein. Irgendwie kann ich einen Florida-Film einfach nicht richtig ernstnehmen, denn Florida ist absurd. Wie letztens bei "Out of time" (ueber den ich gar nichts geschrieben hab! Schande!); allein der Schauplatz Florida hat dem Film eine gewissene Niedlichkeit verliehen.

Aber Runaway Jury spielt in ... New Orleans. Tief in Louisiana, weit in den Suedstaaten. Das fand ich schon mal stark.

Bald geht's auch zum Fall: Dustin Hoffman vertritt eine Witwe, deren Mann in einer gut inszenierten Introsequenz erschossen wird. Und jetzt kommt auch schon das Problem: Sie verklagt die Waffenindustrie. Argl? Das ist so ziemlich mein pet peeve. Ein Geistesgestoerter, vorbestrafter Waschmittelverkaeufter hat meinen Hamster mit einem Solinger Messer aufgeschlitzt, und deswegen verklage ich jetzt.... Solingen. Logo. Okay, und dieser Mist dient leider als Motiv fuer die "Guten".

Zum Glueck wird dieses Motiv nicht allzuweit ausgebreitet, und auch Gefuehlsduselei bleibt beim Film fern. Erfrischenderweise. Noch erfrischender aber ist die performance von Gene Hackmann. Er ist der Mann. Gegen etwas Kleingeld der "fiesen" Waffenfirma hilft er etwas bei der Auswahl der Jury nach, in der sich auch John Cusack befindet, der in diesem Film schon wieder nicht saugt.

Im 2. Akt dann kommt ein guter Twist, der den Film wirklich interessant macht - denn jetzt ist es ploetzlich kein simples Gezanke zwischen Hoffman (Gut) und Hackmann (Boese) mehr. Und das zieht sich den ganzen Film weiter - dadurch wird die eigentliche Verhandlung mit ihrem saudoofen Motiv fast zur Nebensache.

Der Film ist schnell, aber sauber geschnitten. Da langweilt man sich nicht, die Szenen gehen in rapidem Tempo voran. Die Schauspieler haben alle ihren eigenen Plan, aber Hackmann spielt sie alle in Grund und Boden. In einer Szene, in der er sich mit Hoffman privat ueber den Fall auslaesst, hat er echt fast schon eine gaensehautmachende Ausstrahlung.

Nur... tja.. die letzten 10 Minuten haben mich dann enttaeuscht. Und auf die Gefahr hin, dass ich jetzt schon wieder als Waschlappen dastehe, sage ich: Der Film ist trotzdem gut. Diese Dreiecksbeziehung zwischen den Parteien haelt den Film am Leben. Nebenbei bemerkt fand ichs auch mal erfreulich, dass einem der Trailer nicht gleich den ganzen Film inklusive aller Wendung (a la "Empire") verraet.

Also. Bagel, schmeiss den Esel an. Naja, machst du eh nicht, guckst ja nur noch abstrussen Kram, den keiner kennt. Dann halt nicht.

Posted by ebomike at 06:39 AM | Comments (1)

November 01, 2003

Bubba Ho-Tep

Gleich vorweg: Abstruss. Oder, wie ich gesagt hab, als wir aus dem Kino raus sind: "That was some weird-ass shit."

Ich verrate mal nicht so viel, nur das, was man ohnehin von Trailer und so kennt: Bruce Campbell spielt den echten Elvis, und alles ist komisch.

Hmm, das ist eigentlich eine ziemlich treffende Beschreibung fuer den Film. Zu Bruce Campbell selbst: Er ist immer noch der Mann. Er ist genial, und ohne ihn waere dieser Film wahrscheinlich oede. Seine Mimik ist unbezahlbar; die meiste Zeit ist er ein alter, fetter Sack, der viele Jahre nach einem unfreiwilligen Stage-Dive mit kaputter Huefte im Altersheim sitzt. Am coolsten ist er aber in den spaerlichen Rueckblicken, wo er mit einem ultratrockenen und leicht genervten Gesichtsausdruck total abgeht. Davon haette ich gerne mehr Szenen gehabt.

Der Film ist lustig, der Humor ist total abgefahren, und Bruce Campbell bringt die Gags treffend auf die Buehne. Ein Problem ist nur, dass manche Witze irgendwie isoliert wirken. Dadurch lacht man zwar, aber der Film als Gesamtwerk ist einfach etwas zu geflickt und loechrig. Ich meine, selbst der namengebende Bubba Ho-Tep erscheint erst reichlich spaet im Film, und bis es soweit ist, duempelt die Story ein bissel durch die Gegend, aber keiner weiss so genau wohin.

Das ist ja okay, aber da gibt's diesen Ausdruck, der in einem meiner Wie-werde-ich-Regisseur-Buechern ist: spine. Das fehlt dem Film. Der rote Faden, der sich von Anfang bis Ende in den Charakteren durchzieht.

Ist schwer, den Film runterzuziehen, denn er ist gut: Die Witze sind lustig und nicht flach, die Schauspieler sind gut, keine Szene ist so richtig doof, aber die Gesamtheit haut nicht so ganz hin. Das war zumindest so mein Eindruck - aber die IMDB-Wertung ist sehr hoch, also scheint das vielen anderen nichts ausgemacht zu haben.

Auf jeden Fall: Anschauen schadet nicht. Allein schon wegen Bruce Campbell und dem auch sehr abgefahrenen Ossie Davis.

Posted by ebomike at 08:34 AM | Comments (0)