December 08, 2003

The Last Samurai

Edward Zwick ist wieder da! Wir kennen ihn ja von seinen oftmals leicht ueberdramatisierten Werken, rangierend von trotzdem-noch-gut (The Siege) zu aua-pathos-und-doof (Glory).

Heute begeben wir uns ins Japan im Jahre 1876. Tom Cruise, der seinerzeit im Auftrage seines Landes reihenweise Indianer plattgemacht hat, findet das jetzt nicht mehr so cool und hat dementsprechend eine leichte Aversion gegen Amerika. Umso praktischer, das Japan ihn anheuert, ihre Armee auszubilden, um die lastigen Barbaren zu vernichten.

Im ersten Kampf mit einer hoeelisch untrainierten Armee kriegt Tom Cruise tuechtig auf die Fresse und wird gefangengenommen. Im Dorf der Barbaren (=traditionelle Samurai) kuemmert sich der Ueber-Samurai Katsumoto um ihn - anfangs skeptisch, aber spaeter wie zu erwarten aendert sich diese Feind-Feind-Beziehung.

Gerade ab der zweiten Haelfte hat dieser Film a great deal of Braveheart und Dances with wolves. Einer der wichtigsten Unterschiede ist aber schon mal die Hauptrolle - Kevin Costner ist fuer'n Arsch, und auch Mel Gibson ist kein guter Held (und schon gar kein guter Regisseur). Tom Cruise ist krass. Aehnlich wie ich schon Bruce Willis in Tears of the sun beschrieben habe, ist er praktisch durchweg unsmiling. Und da komme ich auch schon gleich auf das, was mir am besten am Film gefallen hat: Nennen wir's mal integrity.

Der Film nimmt sich ernst, aber das funktioniert auch. Ab und zu gibt's ein paar Lacher, aber Edward Zwick behandelt die Samurai mit Respekt und stellt sie entsprechend dar. Gut, wie bei Zwick ueblich, arbeitet er da mit dicken Pinselstrichen: Die Amerikaner sind alle oeberflaechlich, die boesen Japaner sind alle boese, und die Samurai sind alle super. Aber trotzdem funktioniert es noch (auch The Siege funktionierte gut), und die ernsten Gesichtsausdruecke der Leute mit der wie immer genialen Musik von Hans Zimmer erschaffen die noetige Atmosphaere.

Ich erwaehnte ja schon oefter zwei Haelften vom Film. Es gibt eigentlich keine Grenzlinie hier, aber Stueck fuer Stueck wanderte der Film von einem eigenstaendigen Werk immer mehr in Richtung Dances with wolves und Braveheart, und am Ende war der Braveheart-Gehalt schon hoeher, als es mir lieb war (aber die Regie war nach wie vor auf einem Niveau, dass nicht mit dem kindischen Braveheart zu vergleichen ist). Und durchgaengig wurden die Japaner von Zwick respektiert, und selbst Tom Cruise beschreibt in einem seiner voice-overs in der Mitte vom Film, dass er die japanische Kultur zwar faszinierend findet, aber wahrscheinlich niemals voll verstehen wird.

Obwohl fast 2 1/2 Stunden lang, fand ich den Film nicht besonders langatmig. Vielleicht ein wenig gegen Ende, aber das war noch tragbar. Vollends empfehlen kann ich den Film nicht (Zwick hat halt doch gelegentlich den Hang, typische Klischee-Szenen einzuhauchen, aber zum Glueck nicht so extrem wie viele seiner Kollegen), aber er ist trotzdem definitiv einer der besseren Filme dieses Jahres. Wirklich besseren Filme.

Posted by ebomike at 05:39 AM | Comments (0)

December 01, 2003

Gothika

Stell nicht schon wieder so Fragen. "Warum bist du da ueberhaupt reingegangen?" Lief halt nix besseres. Okay.

Gothika. Erst mal der Name. Der Name ist scheisse. Ganz ungeachtet vom Film. Man nennt einen Film einfach nicht Gothika, ausser vielleicht wenns um einen Haufen 16-jaehriger Schnecken geht, die The Cure und Joy Division hoeren und ihre Zimmer schwarz streichen. Und dann waere der Name eine ausreichende Warnung.

Aber er hat ja nicht mal was mit dem Film zu tun. Gothika. Gothika was? Gothikannichglauben, was fuer ein Dreck das ist?

Jaja, schon gut. Ich mach ja schon weiter. Also: Halle Berry ist geil. Aber nicht in diesem Film. Aehnlich wie Cameron Diaz in Being John Malkovich durch eine absurde Frisur an den Rand der Haesslichkeit gedrueckt wurde, durchbricht Halle Berry diese Grenze mit ihrem wahllosen Gestruepp, das sie auf dem Kopf traegt.

Der Film faengt eigentlich ganz nett an. Psychologin hat nen Blackout und landet in der Klapse, wo sie am anderen Ende der Hochsicherheitstueren sitzt und keine Ahnung hat, was ueberhaupt abgeht. Koennte ja geil sein - sicherlich hat alles ne gute Erklaerung, und durch fette Psychologie kriegen wir im Laufe der Zeit raus, was abgeht.

Aber nee. Dummerweise entpuppen sich die scheinbar uebernatuerlichen Phaenomene als tatsaechlich uebernatuerliche Phaenomene, und das kann ich ja mal gar nicht ab. Ich hasse Geisterstories. Aber das allein ruiniert den Film nicht. Dafuer der Rest.

Meine interne Punktskala fing bei 7 an, als die 5-Minuten-Marke vom Film erreicht wurde. An diesem Zeitpunkt mach ich meistens den ersten Punktecheck, denn da kann man schon etwa den Ton vom Film erkennen, die Integritaet und die Richtung. Naja, anfangs schwankte es ein wenig, aber dann wars nur ne Talfahrt. Jedesmal wollte ich dem Film noch helfen ("wenn jetzt das-und-das passiert, dann gibt's vielleicht noch nen Punkt"), aber nein. Und ich will nicht mal sagen, das alles vorhersehbar war - nein, diese gequirlte Scheisse, die da stellenweise passiert ist, war einfach nicht vorherzusehen! Sowas konnte ich mir in meinen kuehnsten Alptraeumen nicht vorstellen!

Die "2" am Schluss hab ich aus Gnade gegeben. Immerhin war er technisch schon nicht schlecht, Halle Berry hat in zwei oder drei Shots ganz gut ausgesehen (nur diese Haare! Neiin!), und Charles S. Dutton ist dabei, wenn auch nur kurz. Nein, nein, nein. Traurig, sowas. Dabei haette man durchaus was besseres draus machen koennen.

Posted by ebomike at 08:00 AM | Comments (0)