January 24, 2004

THE BUTTERFLY EFFECT

Gab's da nicht mal die Simpsons-Folge, wo Homer in die Zeit zurueck reist und 'ne Kleinigkeit aendert, was dann grosse Folgen hat? Er zerquetscht eine Muecke, und ploetzlich ist Flanders President der USA. Hier ist der Film mit gleichem Thema.

Der Trailer sah so vielversprechend aus wie schon lange kein Film mehr. Und schon der erste Akt hat mich in keinster Weise enttaeuscht: Es geht knallhart zur Sache. Es geht durch Ashton Kutchers Kindheit, und da war ganz schoen die Hoelle los. Dummerweise hat er ab und zu Black-Outs, und die sind brilliant in Szene gesetzt. Gleichzeitig mit lustiger und dramatischer Wirkung.

Irgendwann ist er dann ein halbwegs guter Student auf der Uni, aber dann baut er richtig dick Scheisse. Aber dann entdeckt er, dass er mit Hilfe von seinem Tagebuch einzelne Szenen aus seiner Vergangenheit aendern kann. Das macht er dann, um Fehler wiedergutzumachen - wodurch er andere, noch viel krassere Probleme verursacht.

Der Film laeuft fast zwei Stunden, und man merkt auch, dass er nicht kurz ist - aber er ist keinen Moment langweilig. Keine schnulzigen Szenen, keine hanebuechernen Wendungen - das Drehbuch ist durch und durch schluessig und fuegt sich immer mehr zusammen und bringt gleichzeitig immer neue Schocker auf den Tisch.

Butterfly Effect ist wunderbar gewalttaetig, allerdings immer so, dass es die Handlung vorantreibt. Und es wird echt vor nichts Ruecksicht genommen - der Film ist harter Tobak. Er verdient sein R-Rating mit Recht.

Mein letztes "10 von 10"-Voting gabs in 2002 fuer den brasilianischen Film "City of God" (bzw. Cidade de Deus). Jetzt ist es wieder soweit - 2004 hat gerade angefangen, und hier verleihe eine weitere meiner sehr selten 10ern. Hier stimmt einfach alles - interessanter Plot, durchdachtes Drehbuch, konsequente Inszenierung, saftige Gewalt, immer neue Drehungen und Wendungen. Selbst der Schluss ist gut geraten.

UPDATE: Hab mal etwas die IMDB durchforstet. Die Kritiker sind zum hohen Anteil eher unfreundlich auf den Film eingestellt. Von den Usern her ist es gemischt, aber viele haben ein Problem damit, das Arschloch Kutcher die Hauptrolle spielt. Okay, ich mag ihn auch nicht, aber der Film kann doch trotzdem gut sein - und in diesem Fall ist er es auch! Die Einstellung find ich genauso daemlich wie Leute, die Brad Pitt hassen, weil er ja so'n Frauenschwarm is. Ach? Schon mal Kalifornia gesehen? Also. Fresse.

Posted by ebomike at 12:51 AM | Comments (0)

January 19, 2004

Big Fish

Interessant war der Trailer auf jeden Fall. Etwas maerchenhaft, aber trotzdem. Und sowieso mal wieder gut, von Tim Burton was zu hoeren. Also:

Edward Bloom (Albert Finney in alt, Ewan McGregor in jung) ist ein Maerchenonkel. Seit der Kindheit hat er seinem Sohn Will nur wahnwitzige Geschichten aus seinem Leben erzaehlt - bei Wills Geburt hat er einen riesigen Fisch mit seinem goldenen Ehering gefangen, davor war er Kriegsheld, im Zirkus, hat seine Heimatstadt von einem 3 Meter grossen Typen gerettet, mit dem er gemeinsam durch die Welt gezogen ist und die wildesten Dinge erlebt hat.

Jetzt liegt Edward im Sterben, und Will, der selbst in ein paar Monaten Nachwuchs kriegt, moechte von seinem Vater jetzt endlich seine wahre Geschichte erfahren.

Der Film ist definitiv sehr burtonesque, und jener konnte sich auch mal wieder so richtig austoben. Die oben erwaehnten Subplots sind nur ein kleiner Teil von dem, was da in Big Fish so wimmelt. Die bluehende Phantasie vom alten Edward hat Burton wirklich bildhaft in Szene gesetzt.

Schon am Anfang warnt Will im voice-over, dass die meisten Geschichten erstunken und erlogen sind, und sowas mag ich ja eigentlich gar nicht: Ich mag Filme lieber realistisch, so dass man wenigstens ansatzweise glauben kann, dass die Charaktere und Handlung echt sind. Aber bei Big Fish hat Burton das ganze fest im Griff: Die Geschichten werden in Rueckblenden erzaehlt, und die Rahmenhandlung in der Gegenwart bringt einen auf den Boden.

Als es dann an den Schluss kam, hatte ich stark darauf gehofft, dass sich alles in eine bestimmte Richtung entwickelt und auf eine bestimmte Art inszeniert wird. Das haette man ganz ganz einfach verhunzen koennen, aber nein. Es lief genauso ab, wie ich es mir gewuenscht hab, und wirklich brilliant ausgefuehrt.

Stellenweise war ich mir nicht sicher, ob ich den Film ueberhaupt gut finden soll, weil er die meiste Zeit ja eigentlich nur die wirren Geschichten von Edward beschreibt. Aber das will der Film ja sagen: Die ausfuehrlichen Maerchen sind schoener als die trockenen Fakten, wie z.B. die wahre Geschichte bei Wills Geburt, die ihm der Arzt spaeter verraet.

Ist auf jeden Fall schoen, einen Burton-Film zu sehen, bei dem er nicht voellig haltlos in der Gegend rumspinnt, sondern wilder wie eh und je ist und trotzdem eine gewisse Ernsthaftigkeit beibehaelt.

Posted by ebomike at 12:56 AM | Comments (0)

January 11, 2004

Paycheck

Bogal! Bei Paycheck wars es sehr deutlich, wie mich schon die Vorzeichen beeinflussen, bevor der Film selbst ueberhaupt angeht.

Ich erinnerte mich noch vage an den Trailer, den ich vor Weihnachten gesehen hatte, und wusste, der hatte etwas Action und sah nicht ganz schlecht aus. Heute geguckt.. und dann ging's los:

OH NEIN - auf der Kinokarte steht "PG-13". Nicht gut. Gerade in Verbindung mit Action bedeutet das meist: Kinder-Action. Zurueckgehaltene Sprache. Alles runtergeschraubt.

GEIL!! - Der Film ist von John Woo. Auch wenn er viel Quatsch macht, hab ich prinzipiell nichts gegen ihn.

OH NEIIN - Ben Affleck?!! Bitte nicht! Weg mit dem! Braucht keiner!

GEIL!! - Basiert auf ner Kurzgeschichte von Philip K. Dick. Das koennte cool werden!

Und dann ging's los. Sehr nett finde ich, dass der Film anfangs einige interessante Sachen in den Raum wirft, ohne dass man weiss, wohin es im Hauptteil wirklich gehen wird.

Schon die Exposition: Affleck ist toller reverse engineer, der fuer Firmen Technologie klaut, nachbaut und verbessert. Das moechten die Firmen ganz gerne geheimhalten, deswegen wird Affleck nach jedem Auftrag die Erinnerung an seine Arbeit ausgeloescht - meist um die acht Wochen rum.

Affleck findet das gar nicht uebel - er verdient dick Asche, und als ihn jemand fragt, ob ihm das mit dem Hirn-Wischen nicht juckt, meint er, nein, warum? Er erinnert sich an einen Urlaub in Hawaii, an ein gutes Spiel von meinem Lieblings-Baseball-Team, und Urlaub sonstwo. Sein Leben ist praktisch eine Aneinanderreihung von Highlights.

Wow - allein das inspiriert mich schon zu einem Artikel auf milkastrom. Aber weiter.

Jetzt kommt die Chance auf einen grossen Auftrag, nach dem Affleck finanziell ausgesorgt hat. Aber der dauert drei Jahre.

Als er sich kurz nach Beginn in Uma Thurman verliebt, zoegert er: In drei Jahren wird er sich nicht mehr dran erinnern. Aber was jetzt in den drei Jahren passiert, erfahren wir nicht. Zwei shots spaeter sind drei Jahre vergangen, und der Zuschauer weiss genausowenig wie Affleck.

Als Affleck seine Praemie kassieren will, geht der Aerger langsam los, und jetzt kommen noch mehr Dick-ige Elemente: Jetzt geht's noch darum, in die Zukunft gucken zu koennen... aber ich will vom Plot mal nicht zuviel verraten.

Auf jeden Fall wirds bald gehoerig action-lastiger, und Affleck ist auf der Flucht vor boesen Leuten, die was gegen ihn haben, weil er wohl irgendwas angestellt hat. Nur was, weiss er halt nicht. Naja, also das haben wir wirklich schon tausendmal in Filmen gesehen, aber mit dem zweiten Element - dieses in-die-Zukunft-guck-Ding - kommt ein ganz neuer Twist rein. Ach, ich verrat doch nochmal was: Affleck hat sich innerhalb der drei Jahre einen Plan zusammengestellt und die noetigen "Zutaten" an sich selbst geschickt. Nach den drei Jahren hat er diese Zutaten, aber keinen Plan, was er mit ihnen machen soll.

Zur Ausfuehrung. John Woo wird auch langsam erwachsen. Seine doofen Moewen da sind immer noch mit von der Partie, aber nur kurz. Auch sind praktisch nur die Shots in Zeitlupe, bei denen es Sinn hat. Der klassische stand-off ist mehrfach drin. Action ist ne Menge da, und von Woo solide inszeniert - was anderes sollte man auch nicht erwarten. Und ja, es sind Tauben. Ich weiss.

Man koennte etwas sauer sein auf den Film, dass er interessante Storyelemente nimmt (diese Gehirnwaesche, die Vorhersagensache, etc.) und am Ende eigentlich doch nur ein Actionspektakel daraus macht. Aber andererseits.. auch Blade Runner ist nicht sehr tief in das Material von Dick gegangen. Allemal besser als Demolition Man, der viel Potential gehabt haette, mal etwas von Huxley zu demonstrieren, aber echt nur an der Oberflaeche schrammt. Man haette schlimmeres erwarten koennen von dem Drehbuchautor, der eigentlich recht duenne Sachen schreibt.

Immerhin ist der Film unterhaltsam. Viel Action, gute Action, und keine langweiligen Stellen oder peinliches Gedusel. Man kann sogar darueber hinwegsehen, dass Ben Affleck die Hauptrolle spielt. Loecher im Plot gibt's aber in Massen, man darf also nicht zu tief greifen. Besser ist es, die Elemente, die leicht angedeutet werden, zu angeln und selbst weiterzudenken.

Posted by ebomike at 10:46 PM | Comments (0)