February 09, 2004

Crimson Gold

Den Trailer hab ich durch Zufall auf Apple's Trailer-Seite entdeckt. Sah interessant aus. Und laut IMDB spielt der momentan nur in 6 Kinos in ganz Amerika. Eins davon ausgerechnet in Irvine, verhasster Stadt meines Arbeitsplatzes. Also: Gleich rein.

Das ganze ist ein iranischer Film im besten Farsi mit Untertiteln. Protagonist ist der uebergewichtige Pizzabote Hussein, der mit seinem Motorrad durch den wirklich barbarischen Verkehr von Tehran zischt und Pizza an alle moeglichen Bevoelkerungsschichten liefert.

Seine Praesenz auf der Leinwand ist genial. Er sieht aus wie Walross und guckt immer mit dem gleichen muffeligen Gesichtsausdruck aus seinen dicken Lagen aus Pulli, Jacke und Parka.

Gleich die allererste Szene zeigt das blutige Finale, in der Hussein einen Juwelierladen reichlich unbeholfen ausrauben will und in einem 5 Minuten langen Shot schliesslich den Juwelier und sich selbst erschiesst. Dementsprechend fragt der Rest vom Film eigentlich nur: Warum?

Der Film ist kulturell irgendwie schon interessant (und da fragt man sich, ob das Publikum im Iran den Film vielleicht weniger sehenswert findet?). Hussein ist kurz davor, die Schwester von seinem besten Kumpel Ali zu heiraten. Er wuerde ihr gerne schoenen Schmuck bringen, aber der piekfeine Juwelier laesst ihn nicht mal in das Geschaeft rein. Das kraenkt Hussein zutiefst, der sich nicht damit abfinden kann, in einer unteren Gesellschaftsschicht zu leben.

In einer spaeteren Szene putzt sich Hussein mit Anzug raus und versucht so, im Juweliergeschaeft Respekt zu finden. Der Juweliersgehilfe faellt auch drauf rein, aber der Chefjuwelier durchschaut die Maske und verweist wieder auf Goldschmiede in den niederen Gegenden der Stadt.

Abends faehrt er dann wieder mit seiner Muehle durch die Stadt und verteilt Pizza, was meistens immer Stress mit sich fuehrt. Der erste Kunde z.B. ist im 4. Stock und der Aufzug geht nicht. Und hier sieht man repraesentativ das Tempo vom Film: Mit elefantenartigem Anmut waelzt sich Hussein alle vier Stockwerke hoch, ganz langsam. In einem Shot, von Anfang bis Ende. Und das ist noch eine der kurzen Szenen: Viele Sequenzen gehen endlos lange. Der naechste Kunde z.B. ist zufaelligerweise in einem Gebaeude, das gerade von der Polizei beschattet wird (die in dem Film nebenbei nicht gerade nett davonkommt, weswegen er auch in Iran verbannt ist). Die laesst Hussein nicht laufen, damit er nicht die Leute warnen kann, die von der Polizei Stueck fuer Stueck einkassiert werden, und so muss er warten, bis die Polizeiaktion vorbei ist - die durchaus bis 4 Uhr morgens gehen kann, wie einer der Helfer sagt.

Eine wirklich lange Szene. Aber auch hier ist Hussein irgendwie mitten in der Handlung, auch wenn er eigentlich nur zufaellig dazugestossen ist: Als sich die Belagerung endlos hinzieht (so wie die Szene auch!), beschliesst Hussein irgendwann, seine Pizza an die Polizisten und Soldaten zu verteilen, da er sie wohl eh nicht mehr ausliefern kann, bevor sie kalt wird.

Etwas seltsam anzuschauen ist der Film schon, das Tempo ist schon ein wenig gewoehnungsbeduerftig - aber trotzdem fand ich den Film irgendwie nicht langweilig. Dadurch, dass das Finale gleich am Anfang kommt, fehlt ein wenig die Spannung, mit der der Zuschauer eigentlich an den Sitz gefesselt werden sollte.

Wenigstens kannst du mal ein paar Reviews auf der IMDB ueber den Film lesen. Die sind teilweise nicht uninteressant.

Posted by ebomike at 11:19 PM | Comments (0)