March 29, 2004

Wilbur wants to kill himself

Ah, wieder mal ein Spezialfilm im Sonderkino.

Wilbur wants to kill himself. Und das schon in der ersten Szene. Allerdings reichlich erfolglos. Aber seit dem Tod seiner Mutter versucht er's trotzdem immer wieder, und sein Bruder Harbour (beachte die passende Namensgebung) ist staendig beschaeftigt, ihn zu retten.

Sogar die Therapiegruppe fuer Suizidgefaehrdete schmeisst den staendig trockenen und sarkastischen Wilbur raus, der nie irgendwie depressiven, traenenvollen Sachen von sich gibt, sondern einfach nur ganz methodisch eine Verlaegerungsschnur an eine Stange knotet, um sich zu erhaengen, als er die Gelegenheit erblickt. Und als sein Bruder (der schon laengst alle scharfen Sachen aus seiner Wohnung in Sicherheit gebracht hat) einen Foen vorsorglich wegnimmt, als Wilbur ein Bad nimmt, meint der nur: "Mach dir keine Sorgen. Dafuer wuerde ich den Toaster nehmen."

Dann kommt Alice ins Leben der beiden, die immer wieder in Harbours Buchhandlung auftaucht, um Buecher zu verkaufen, die sich im Krankenhaus, wo sie arbeitet, findet. Und so weiter.

Hmm. Das ist schon wieder so ein kleiner Film, aehnlich wie Lost in Translation, der hochgelobt wird, aber mich nicht vom Sockel reissen will. Er geht ganz droege vor sich hin, und da tut sich einfach nichts. Die Bilder, angesetzt im muerrischen Schottland, sind kahl und farblos. Als Komoedie taugt der Film nicht viel, weil kaum Gags vorhanden sind. Als Drama ist da auch nicht viel mehr drin. Der grosse Wendepunkt (verrate ich mal, da du den Film eh nicht sehen wirst) ist, dass Harbour Bauchspeicheldruesenkrebs hat. Und wie Harbour bald sterben wird, beginnt Wilbur langsam, sich mehr ans Leben zu klammern. Das passiert etwa im 4. Akt, und ab da ist eigentlich der Rest vom Film voellig vorhersehbar.

Auch der Ton kann den Zuschauer nicht aufwecken. Musik ist fast gar keine da, eigentlich nur ein einziger suess-saurer score, der reichlich unbeeindruckend ist. Und die ganzen Leute reden doofes Englisch. Ist um Meilen verstaendlicher als dieses Genuschel von Trainspotting, aber trotzdem geht mir britisches Englisch einfach aufm Sack.

Ich versuche verzweifelt, den Sinn vom Film zu finden. Alle loben den Film, also muss da ja irgendwas sein. Aber ich finde da einfach nichts. Selbst Crimson Gold, der auch super-langsam und reichlich plot-arm war, bietet Stoff zum Nachdenken und hat viel Hintergrund. Aber hier?

Posted by ebomike at 11:04 PM | Comments (0)

March 27, 2004

The Ladykillers

Ein neuer Coen-Film!

Ladykillers ist ein wenig ein Fargo im Sueden. Wie Fargo spielt es in einer etwas hinterwaeldlichen Gegend mit nur bekloppten Leuten. Nur sind wir diesmal statt im eiskalten Norden im tiefsten Sueden gelandet, wie's tiefer nicht geht: In Mississippi, mit dicken Schwarzen, die froehlich in der Kirche gospeln. Und dementsprechend quirlig ist auch die Stimmung vom Film.

Dieses Umfeld macht den grossen Kontrast zu Fargo aus: Schon die erste fantastische Szene von Fargo mit der leicht depressiven Musik setzt die Szene, und der Film - trotz der vielen lustigen Elemente - ist deprimierend, als die Leute Stueck fuer Stueck sterben, und Marge fassungslos feststellt, dass der schweigsame Gaear nur wenig ein bisschen Geld die ganzen Leute umgebracht hat. Und natuerlich Jerry Lundegaard, der eigentlich auch nur ein armer Trottel ist, der am Ende schluchzt und heult, als die Polizei ihn kaescht.

Nicht so Ladykillers. Der ist genauso relaxed und sorglos wie die Einwohner der Stadt. Auch wenn die Handlung Kriminalitaet, verlorene Finger, Mord und anderweitige Todesursachen vorsieht, ist der Ton vom Film stets munter.

An sich ist der Plot denkbar einfach - Tom Hanks ist ein Mastermind, der sich als Untermieter bei der leicht debilen Marva Munson einnistet, die nur die Haelfte von dem versteht, was PhD Tom Hanks da von sich gibt ("PhD?!! Ffd?? Wasn des?"). Unter der Verkleidung, dass er und seine Kumpanen Kirchenmusik proben, hecken sie in Wirklichkeit einen grossen Coup aus.

Und hier kommt wieder die Staerke der Coens raus: Die Charakter sind brilliant. Jeder hat seine Macken, und so gibt's immer wieder Stress und Probleme. Durch die brillianten Dialoge kommt das blendend zur Geltung. Und anders als Fargo bewegt sich dieser Film auch viel schneller. Wenn er erst mal in Fahrt gekommen ist, geht es Szene fuer Szene fix im Plot weiter, ohne ueberfluessigen Kram. Selbst die Exposition ist wunderbar kurz, die Charakter werden im Schnelldurchlauf vorgestellt - aber jeweils mit viel Humor.

Auch die Kamera arbeitet wunderbar mit: Schon die allerersten shots sind bildschoen. Der Film sieht klasse aus, obwohl auch hier wieder mit Wasser gekocht wird und die Bilder durch Komposition und nicht Technik bestechen.

Okay, fairerweise sollte ich erwaehnen, dass dieser Film ein remake ist, und die ganzen Briten jammern jetzt wieder rum, dass die boesen Amis ihre Filme kopieren und alles kaputtmachen. Ist mir echt schwanz - der Film ist klasse und total coen, das Original ist von 1955, also darf er IMHO ohne Problem als eigenstaendiges Werk dastehen.

Posted by ebomike at 10:26 PM | Comments (0)

March 20, 2004

Eternal Sunshine of the Spotless Mind

Hat Charlie Kaufman eigentlich schon mal Muell gemacht? Kann sein. Aber jedenfalls bei keinem seiner Werke, die ich gesehen hab. Das Drehbuch von ESotSM reiht sich wunderbar ein: Es ist wieder mal klasse. Diesmal versucht sich Charlie Kaufman ein wenig an Memento. Naja, klein wenig.

Der Film ist anfangs ultra-abstruss, und der gnadenlos abgehackte Schnitt macht es einem nicht einfach, da reinzukommen. Erst spaeter kommt langsam etwas Sinn hinter alles. Dementsprechend will ich nicht besonders viel vom Plot erzaehlen, aber die Grundidee kennt man ja: Die Beziehung zwischen Jim Carrey und Kate Winslet hat nicht so hingehauen, und jetzt ist Jim bei einem Spezialarzt, der ihm jegliche Erinnerung an Kate Winslet ausloescht. Und diesen Trip begleiten wir im Film.

Jim Carrey - wieder so einer von denen, die ich weniger mag. Aber hier ist er sehr zurueckgehalten, kaum Grimassen oder sonstiger Quark. Er kommt in seiner Rolle sehr gut rueber. Auch Kate Winslet, die ich seit Titanic ja mal ueberhaupt nicht abkann, ist hier sehr ueberzeugend.

Die Technik ist ne andere Geschichte. Der Film an sich hat zum Teil sehr gute Spezialeffekte. An anderen Stellen dann sieht er ultra-dilettantisch aus. Da haben wir Beleuchtung, die aus einer ARD-Vorabendserie stammen koennte - andererseits koennte das absichtlich sein, um das ganze noch mehr wie eine Erinnerung aussehen zu lassen. Aber an einer Stelle watschelt Jim Carrey durch die Strassen, und die Scheinwerfer reflektieren wunderbar an einer grossen Glasscheibe. Also nicht nur ein bisschen, sondern voellig. Ist das Absicht? Warum? Der Ton ist manchmal rauschig und fast wie ein mono-Film. Absicht?

Wie man's von Kaufman erhoffen kann, hat der Film einige sehr lustige Stellen. Eine besondere Szene hat die gleiche Qualtiaet wie Malkovichs Selbstfindung - einfach brilliant. Anders als Being John Malkovich aber ist der Film wesentlich nachdenklicher, ruhiger - und unlustiger.

Zur Abrundung hat mir ein solider letzter Akt gefehlt. Der war jetzt nicht schlecht, aber irgendwie fand ich ihn schon ein wenig gehackt - ich hatte mir einfach was anderes erhofft.

Wirr. Wirr. Interessant. Falls du auch nur annaeherend die Kaufmanschen Werke magst, angucken.

Posted by ebomike at 01:25 AM | Comments (0)

March 13, 2004

Spartan

Nomen est omen. Schon die Titelsequenz ist der spartanisch. Praktisch keine Musik, schlichter wisser Text auf schwarzem Screen, und auch davon nur zwei title cards.

Aber der ganze Film ist sehr unspektakulaer gemacht. Das meine ich jetzt nicht negativ, sondern einfach als Gegensatz zu "flashy". Die Kameraarbeit ist sehr gut, fast jeder shot hat sehr extreme Schatten und farbiges Licht, was gut aussieht, aber alles ohne sonderlich aufwendige Dollies und Kranfahrten. Eine Verfolgungsjagd ist sogar im besten "back to the roots" reichlich verwackelt.

Der Film ist von David Mamet, der unter anderem ja auch under Pseudonym an Ronin geschrieben hat. Und Spartan koennte auch ein Film von Frankenheimer sein. Wobei - eigentlich ist er noch subtiler. Das Drehbuch laesst keinen Raum fuer Spaetzuender, man muss staendig am Ball bleiben. Die Gewalt (R-rated, aber das merkt man nicht sonderlich) kommt explosiv und unerwartet, und wie bei Frankenheimer auch sehr to-the-point.

Hauptrolle spielt Val Kilmer, den ich weniger mag, aber mit dabei ist auch Derek Luke, der cool ist. Als Special Ops-Mann wird er gerufen, als die Tochter von jemandem ganz toll wichtigen entfuehrt wird. Und wie man sich denken kann, steckt mehr dahinter, als man anfangs denkt.

Das Drehbuch ist sehr typisch David Mamet (die einzigen anderen Buecher vom ihm, die ich kenne, sind Ronin und Wag the Dog), aber die Regie hat weder das Tempo der beiden noch die Action von Ronin. Das ist nichts schlechtes, aber das sollte man vorher wissen - der Film ist vom Tempo her nicht zu schnell, und die unerwarteten Gewaltszenen gehen so schnell, wie sie kamen.

Aehnlich die bei Ronin sind die Leute am Werk professionell und eher emotionslos - da sterben die Leute ab, aber das juckt keinen so richtig. Es ist alles ein Teil der Arbeit.

Ich persoenlich fand den Film als ganzes gut. Aber ich bin vorsichtig, ihn zu empfehlen - man muss sich mit dem Tempo und Stil anfreunden, sonst ist man am Ende unzufrieden und gelangweilt.

Posted by ebomike at 10:15 PM | Comments (0)

March 08, 2004

Starsky & Hutch

Ich brauch ja schon wieder so lange, um mal was ueber einen Film zu schreiben. Mann, wie die Zeit vergeht. Togal.

Also: Wer kennt sie nicht, Starsky und Hutch, die beiden Chaoten aus den 70ern, die die Zuschauer jahrelang beigeistert haben und immer wieder im Fernsehen als Wiederholung zurueckkamen? Ich, zum Beispiel. Aber umso besser: Dadurch konnte ich keine Vergleiche zum Original ziehen. Was ganz gut ist, denn das soll kein sehr erfreunliches Unterfangen sein.

Dabei ist der Film an sich nicht uebel. Ich fand ihn unterhaltsam. Ich mag zwar weder Ben Stiller noch Owen Wilson sonderlich gerne, aber hier sind beide angemessen wahllos, vor allem Ben Stiller mit seiner unsagbaren Frisur.

Einige Todd Phillipsen sind drin (das betrifft aber sicherlich viele mainstream-Filme): Der verzweifelte Versuch, etwas Tiefgang und Gefuehl reinzubringen. Einige Szenen, die wirklich nur drin sind, um einen Gag auszuspielen. Z.B. der Spruch aus dem Trailer, in dem Snoop Dogg ueber Gras philosophiert? Das war eigentlich eine komplette Szene, deren einziger wirklicher Zweck dieser eine bloede Gag war.

Aber Snoop Dogg: Der ist cool. Hier im Film kommt er wirklich ganz gediegen rueber. Vince Vaughn ist wie immer witzig. Aber Todd Phillips' Spezialitaet, der derbe Humor, ist hier natuerlich weniger dabei: Der Film ist ganz klar PG-13.

Ebenfalls reichlich unangebracht fand ich das ziemlich hochgespielte Cameo der Original-Starsky & Hutch. Normalerweise versucht man ja, bei einem Remake eigenstaendig zu wirken. Aber hier kommen ploetzlich die beiden Stars aus dem Original an, und - wenn auch namenlos - offensichtlich wirklich als Starsky & Hutch? Nee, das tut nicht not.

Aber wie auch immer. Einige amuesante Szenen sind dabei. Es ist kein Verlust, diesen Film zu verpassen, aber er ist nicht so schlecht, wie ich befuerchtet hatte.

Posted by ebomike at 11:33 PM | Comments (0)

March 06, 2004

Club Dread

Wow, schon 5 Tage her, dass ich den Film gesehen hab, und erst jetzt schreib ich was. Sowas.

Also... endlich was wieder was neues von Broken Lizard. Super Troopers ist ja echt von Anfang bis Ende zum Kaputtlachen (hab ihn jetzt endlich auf DVD - er ist sogar immer noch lustig). Insofern hatte ich hohe Erwartungen an Club Dread.

Naja, war aber leider nix. Unsere Broken Lizard-Truppe ist diesmal die Entertainment-Crew auf einem Urlaubsresort in einer tropischen Insel. Und Stueck fuer Stueck werden sie von einem saudaemlich angezogenen Killer gemetzelt.

Das ganze ist eine Verarschung der typischen Slasher-Filme, von denen es ja in den spaeten 90ern dank "Scream" einen Boom gab. Man merkt immer, wenn Jay Chandrasekhar (der wieder Regie gefuehrt hat) in den Slasher-Verarsche-Modus wechselt, wo durchgehend Handkamera benutzt wird und die Leute sichtlich unbeholfen sind, erst durch zwei harmlose Sachen erschrocken werden und dann ploetzlich erstochen oder zerteilt werden.

Diese Verarschungen kriegen die Schlechtigkeit dieser Szenen so richtig rueber. Aber auch wenn man schlechte Szenen verarscht und nachmacht, sind sie immer noch schlecht. Und jaaa, man merkt, dass es sich der Film ueber miserable Slasher-Szenen lustigmacht, indem er sie nachstellt, aber fuer den Zuschauer ergibt das weiterhin miserable Slasher-Szenen.

Der Film hat durchaus ein paar lustige Stellen (gerade die live-action-Pacman-Aktion ist goil). Aber ganz oft ist er eher doof. Ich habe auch den Eindruck, das nur Jay Chandrasekhar selbst voll verstanden hat, wie er sich den Film vorgestellt hat: Sein Charakter ist wirklich von oben bis unten laecherlich. Er sieht aktiv scheisse aus, von seinen super-unechten Rastas bis zu seiner daemlichen omnipraesenten Tennis-Kleidung, mit seinem leicht unbeholfenen Geschichtsausdruck und voelliger Unfaehigkeit (wirklich das voellige Gegenteil von seinem Super Troopers-Ego). Ich nehme an, dass er alle Charakter ebenso voellig ueberzogen gespielt haben wollte, aber irgendwie nehmen sich die anderen Schauspieler alle zu ernst. Dadurch wiederum wirken die schlechten Slasher-Szenen so, als waeren sie ernstgemeinte schlechte Slasher-Szenen.

Wie sag ich immer so schoen: Fuer nen Videoabend gut genug. Aber an die Leiste, die Broken Lizard mit Super Troopers verdammt hoch gesetzt hat, erreichen die Buben diesmal beileibe nicht.

Posted by ebomike at 11:37 PM | Comments (1)