August 28, 2004

The Bourne Supremacy

Huch, ich gehe ja gar nicht mehr mit der Zeit. Dieser Film ist schon seit Wochen draussen. Aber er hat mich auch nicht sonderlich gereizt - alle sagen, er ist so gut wie der erste Teil. Oh klasse. Der erste Teil hat mich aber auch nicht vom Hocker gehauen.

Er ist ein solider Action-Film (allerdings PG-13, bah), aber mehr nicht. Aber gut, guck ich mir halt mal Teil 2 an. Einfach so.

Und - im Grunde genommen ist er tatsaechlich wie der erste. Matt Damon ist immer noch Bourne, der viel krasser und toller und klueger ist als alle anderen und selbst nach 30 Autounfaellen, 80 Fausthieben und 3 Einschuessen munter durch die Gegend laeuft und auch seine perfekte Drei-Wetter-Taft-Frisur behaelt. Das fand ich schon beneidenswert - ich muss mir jedesmal wieder diesen Klump in die Haare schmieren, wenn ich nur mal kurz im Meer surfen gehe.

Was mir aber so richtig auf den Sack gegangen ist war die Kamera. Dieses postmoderne Rumgewackel war wieder mal angesagt, und zwar so richtig schlecht. Ich hab inzwischen die Theorie, dass die Produzenten einfach Amateure als Kameramaenner eingestellt haben, anders kann ichs mir nicht vorstellen: Die Shots an sich sind gut, aber die Kamera zappelt rum wie ein Epileptiker bei Strobo-Licht. Und ich rede jetzt nicht nur von den Action-Szenen. Ich hab mal einen shot gestoppt: Er war 14 Sekunden lang und die Kamera "statisch"! Ich meine, sie hat dasselbe gezeigt, aber hin- und hergewackelt wie ein kleiner Kutter bei Windstaerke 10, und dazu noch unmotiviertes Rumgezoome.

Richtig uebel wirds dann aber in den Action-Szenen: Hier geht die Kamera voellig ab. Close-up nach close-up im Viertelsekunden-Takt. Das macht echt keinen Spass mehr. Am Ende kommt eine riesige Verfolgungsjagd, in der Matt Damon zehnmal bei Tempo 100 von der Seite gerammt wird, sich dreimal im Kreis dreht und munter weiterfaehrt. Sieht zumindest so aus, aber bei dieser Kamerafuehrung war das nicht komplett festzumachen.

Fuer mich persoenlich nett war die Tatsache, dass der Film zur Haelte in Berlin gespielt hat, und wie auch beim ersten Teil haben viele Leute sogar sauberes Deutsch gesprochen (zumal auch wirklich in D gedreht wurde). Das gab so ein gemischtes Gefuehl von "huch, wie anders das alles aussieht" und gleichzeitig "kenn ich doch alles irgendwoher."

Noch witziger, dass einige Details eigentlich echt nur zu verstehen waren, wenn man Deutsch verstand. Da ruft er z.B. drei verschiedene Hotels an und fragt nach einer Person. Das ganze in (grauenvollem) Deutsch ohne Untertitel. Wer kein Deutsch kann, ist da aufgeschmissen. Und weitere winzige Kleinigkeiten: So faehrt er z.B. irgendwohin, und laut Strassenschild erkennen wir, dass er nach "Tegel" geht. Aber kein Flugzeug-Symbol oder irgendwas. Tja, too bad for Leute, die nicht wissen, dass da ein Flughafen ist.

Ansonsten? Nett. Wie der erste Teil. Das sagt wirklich alles aus.

Posted by ebomike at 12:22 AM | Comments (1)

August 07, 2004

Collateral

Yo Bagel,

kam mir gerade wieder - die Filmindustrie ist irgendwie viel ausgekluegelter. Release-Daten fuer Filme werden strategisch platziert; so gibt es z.B. die typischen "Sommer-Blockbuster". Das sind Filme wie Spider-Man oder X-Men, die sind PG-13 und fuer den Massenkonsum.

Man kann echt die Jahreszeit erkennen, wenn man auf ein Kino-Billboard guckt: Im Sommer ist es fast nur PG-13.

Dann aber gibt's auch im Sommer die kleinen R-Rated Haeppchen zwischendurch, die spaerlich in das Kinoprogramm einstreut werden: Wie z.B. Confessions Of a Dangerous Mind als re-release letztes Jahr, oder Collateral jetzt. In D z.B. werden Kinofilme ja irgendwie wahllos eingeworfen, scheinbar gerade so, wie die Verleihs die Filme aufgreifen.

Der Trailer ist schon mal nett, und der Film wurde auch halbwegs gehypt hier. Da bin ich schon mal mit halbwegs saftigen Erwartungen rein - sowas sollte man ja eigentlich nicht machen.

Aber in diesem Fall hat's geklappt - von der ersten Szene an hat mir der Ton vom Film gefallen. Man muss sich an den look erst mal gewoehnen - er ist auf HDTV geschossen, und spielt praktisch komplett nachts. Dadurch gibt's ein wenig grobkoernigkeit und Rumgekrissel, aber ohne TV-Look oder sowas.

Michael Mann wollte den Film sehr "authentisch" halten - deswegen schon mal das digitale Format und auch das komplette Fehlen jeglicher Credits am Anfang.

Es geht auch relativ bald zur Sache: Nachdem wir Jamie Foxx kennenlernen, wie er nachts zankende Paare und hektische Geschaeftsleute quer durch Los Angeles faehrt, das er in- und auswendig kennt, steigt irgendwann Tom Cruise ein.

Und dann geht's los. Tom Cruise faehrt zu einem Wohnhaus, meint aber, er hat insgesamt 5 Stops zu machen und bittet Jamie zu warten. Und siehe da, da du ja bestimmt den Trailer gesehen hast, weisst du schon, dass dann ploetzlich eine soon-to-be-Leiche auf das Taxi kracht, komplett mit dem Dialog "You killed him!!" - "Nah, I shot him. Bullets and the fall killed him."

Und schon dient Jamie als Fahrer fuer Tom Cruise, der quer durch die Stadt faehrt und eine Spur der Verwuestung hinterlaesst.

Filme in dieser Richtung gab's schon oft. Collateral ist aber trotzdem sehr nett anzuschauen: Zum einen sind die beiden Charakter, die sich unfreiwillig kennenlernen, erstaunlich tief ausgebaut: Da ist der reichlich zynische Tom Cruise, der gesehen hat, wie unbeudeutungsvoell ein Individuum im Universum ist und seinen Job mit einer dementsprechenden Ruhe und Indifferenz ausfuehrt. Jamie dagegen redet sich ein, dass er grosse Plaene hat und dass seine 12-jaehrige Taxikarriere nur ein "temporary part-time job" ist.

Dann besticht der Film dadurch, dass er sauber ausgefuehrt ist - bis zum Schluss hin gibt es keine albernen und keine langgezogenen Szenen, und ab und zu wirklich lustige Situationen. Es gibt eine kleine Portion von "huch-so-ein-Zufall"-Plotelementen, und ein paar kleine Klischees, aber alles im tragbaren Rahmen.

Im Nachhinein denkt man an viele Szenen, und bei den meisten sagt man sich, "irgendwie war die sehr gut". Da ist die Szene im Jazz-Schuppen, die mir irgendwie sehr gut gefallen hat. Dann die Szene im Club, die gute Musik hatte, dynamisch war, und uebersichtlich geschnitten, obwohl viel passiert ist. Nur die ansonsten wunderschoene Jada Pinkett sah nicht so besonders aus hier.

In der Fuelle der Sommer-Blockbuster ist das auf jeden Fall einer der Filme, die ich in dieser harten Zeit des PG-13-Ueberflusses am meisten brauche. Definitiv auf meiner "must-have" DVD-Liste.

Posted by ebomike at 11:18 AM | Comments (0)